Der Buchweizen Fagopyrum esculentum (Moench, 1794) ...... ist Arzneipflanze des Jahres 1999Eine Arzneipflanze, die noch nicht allgemein bekannt, aber mittlerweile als Therapeutikum anerkannt ist, soll künftig als
Arzneipflanze des Jahres in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt werden. Für 1999 ist die Wahl auf den
Echten Buchweizen (
Fagopyrum esculentum) gefallen.
Die Jury, der neu gegründete Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzen am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg, will damit nicht nur auf eine bestimmte Heilpflanze, sondern auch auf die wissenschaftliche Arbeit an der Hochschule aufmerksam machen: denn am Medizinhistorischen Institut hat sich, in enger Zusammenarbeit mit dem Würzburger Lehrstuhl für Pharmazeutische Biologie und den Pharmazie–Historikern in Marburg und Heidelberg, eine kompetente Forschung zur Geschichte der Pflanzenkunde sowie einzelner Heilpflanzen etabliert.
Der
Echte Buchweizen, ein seit Jahrhunderten genutzter Getreideersatz, bisweilen auch als Arme–Leute–Essen bezeichnet, habe sich im Verlauf der vergangenen 20 Jahre zu einer rationalen Arzneipflanze gegen Gefäßerkrankungen entwickelt, teilt der Studienkreis mit, der von dem Würzburger Medizinhistoriker Prof. Dr. Dr. Gundolf Keil geleitet wird. Außerdem habe der Jury der Aschenputtel–Charakter des
Buchweizens gefallen: als Nahrungsmittel konnte er nie richtig Fuß fassen. Da seine nahrhafte Mehlfrucht – von ihr stammt auch der Name Heidekorn – nicht backfähig ist, konnte er nur in Form von Brei, Grütze oder Graupen zubereitet werden. Folglich verdrängte die Kartoffel im Laufe des 18. Jahrhunderts den
Buchweizen als preiswertes Nahrungsmittel nahezu völlig.
Dass sich der vom Nahrungs– zum Arzneimittel wandelte, war in mancher Hinsicht eine Überraschung: von der Verfütterung der frischen Pflanzen an Haustiere, wie Pferde, Kühe, Schafe und Schweine, war bereits im 16. Jahrhundert die sogenannte Buchweizenkrankheit bekannt. Dabei kommt es besonders bei hellhäutigem Vieh zu Rötungen, Schwellungen und Entzündungen, solange die Tiere dem vollen Tageslicht ausgesetzt sind. Somit besaß der
Buchweizen nicht gerade ideale Vorraussetzungen für eine Karriere als Arzneipflanze.
Als man aber in den 70er Jahren entdeckte, dass
Buchweizen relativ viel Rutin enthält, änderte sich die Sachlage, denn Rutin war schon damals ein geschätzter Wirkstoff. Seine Wirkungen waren bekannt und so lag es nahe, auch den
Buchweizen als Mittel gegen verschiedene Gefäßerkrankungen zu erproben. In der Folgezeit wurden nicht nur Untersuchungsergebnisse zu Anbau, Toxikologie und Freisetzung der Inhaltsstoffe veröffentlicht, sondern mit klinischen Studien auch die Wirksamkeit der Pflanze bei chronischer Venenschwäche nachgewiesen.
Die von der Tierfütterung bekannte Buchweizenkrankheit spiele, wie der Studienkreis weiter mitteilt, beim Menschen keine Rolle: der Inhaltsstoff Fagopyrin, der die Erkrankung verursacht, ist nicht wasserlöslich und lässt sich deshalb nicht im Buchweizenkraut–Tee, der allgemein üblichen Anwendungsform, nachweisen. Dennoch werde der
Buchweizen als Arzneipflanze bislang noch übersehen. Der Konkurent ist die
Rosskastanie (
Baum des Jahres 2005), deren Hauptwirkstoff Aescin bei Venenerkrankungen weitaus häufiger eingesetzt wird.
Das Wirkungsspektrum des
Buchweizens dürfte sich jedoch nicht auf diesen Sektor beschränken. Rutin gehört zur Stoffklasse der Flavonoide, die wegen ihrer antioxidativen Eigenschaften derzeit einen Aufschwung erleben und sich als bedeutende Zellschutzfaktoren bei oxidativem Stress erweisen könnten, wie es in einer Mitteilung des Studienkreises heißt.
Text: Presseinformation vom 21.04.1999, Bayerische–Maximilians–Universität Würzburg
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