Der Efeu Hedera helix (Linnaeus, 1753) ...... ist Arzneipflanze des Jahres 2010Jedes Kind kennt den
Efeu. Er wächst in fast jedem Garten; in der Großstadt wie auf dem Dorf bedeckt er Mauern oder klettert an Bäumen hinauf. Kaum jemand allerdings weiß, dass der
Efeu eine heilende Wirkung ausübt. Wissenschaftler der Universität Würzburg haben ihn darum zur "
Arzneipflanze des Jahres 2010" gekürt.
Bereits die Ärzte der Antike nutzten
Efeublätter und
Efeufrüchte: als Schmerzmittel oder, in Salben verarbeitet, bei Verbrennungen. Heute kommt ein Extrakt aus den gelappten Blättern des
Efeus zum Einsatz. Er bessert die Beschwerden bei chronisch-entzündlichen Bronchialerkrankungen und bei akuten Entzündungen der Atemwege. Auch bei Keuchhusten wird er zur Linderung eingesetzt. Die für diese Wirkungen hauptverantwortlichen Inhaltsstoffe heißen Saponine.
Wirksamkeit durch Studien belegtDie Wirksamkeit des
Efeu-Extrakts sei durch klinische Studien belegt, wie Franz-Christian Czygan, Johannes Gottfried Mayer und Konrad Goehl von der Universität Würzburg mitteilen. Die drei Wissenschaftler gehören dem "Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde" am Institut für Geschichte der Medizin an.
Aber Achtung! Der
Efeu hat auch gefährliche Wirkungen: Frische
Efeublätter und ihr Saft können nach Kontakt mit der Haut allergische Entzündungen verursachen. Und an den Beeren der Pflanze können sich besonders Kinder vergiften - Übelkeit, Durchfall und Erbrechen sind die Folgen.
Efeu in der KulturgeschichteWie kaum eine andere Heilpflanze ist der
Efeu mit der europäischen Kulturgeschichte verbunden. Er galt früher als Wahrzeichen des ewigen Lebens, als Symbol für Liebe und Treue. Bei den Ägyptern war er dem Osiris, im antiken Griechenland dem Dionysos geweiht; man verstand ihn als Hinweis auf die Präsenz des Gottes.
Dichter bekränzte man mit
Efeu, weil der
Efeu auch eine heilige Pflanze der Musen war. Brautpaare erhielten
Efeuzweige als Sinnbild ihrer immerwährenden Verbundenheit.
Im frühen Christentum finden sich
Efeuranken auf Sarkophagen, im Mittelalter schmücken sie Kirchen und Kathedralen, in Stein gehauen (Reims, Marburg) oder in Holz geschnitzt (Altenburger Dom).
Wo der Name des Efeus herkommtDas deutsche Wort
Efeu geht wahrscheinlich auf einen alten Wortstamm "ebah" oder "ifig" (altsächsisch) zurück, was soviel wie "Kletterer" heißt. Früh wurde der Wortstamm mit "Heu" verbunden: althochdeutsch "ep-höu" "ebe-höu", was "Kletterlaub" bedeuten könnte.
Der botanische Name
Hedera helix leitet sich vermutlich von dem griechischen Begriff hédra (Sitz) ab, weil die Pflanze auf dem Baum "sitzt".
Helix kommt vom griechischen Wort helissein (winden, drehen), denn der
Efeu windet sich um den Baum herum. Bei den Griechen hieß der
Efeu kissós, was ebenfalls "Schlinge" bedeutet.
Wer die Arzneipflanze des Jahres bestimmtSeit 1999 wählt der Würzburger "
Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde" die
Arzneipflanze des Jahres. Er besteht aus Medizinhistorikern, Ärzten, Apothekern und Biologen; zum Teil wirken auch Studierende und Dozenten der Seminare "Grundlagen der Phytotherapie" und "Phytotherapie und traditionelle Medizin" mit.
Was die Arzneipflanze des Jahres auszeichnetJedes zur
Arzneipflanze des Jahres gekürte Gewächs soll eine interessante Kultur- und Medizingeschichte aufweisen und in gut belegten oder viel versprechenden pharmakologischen und klinischen Studien überprüft sein. Dabei berücksichtigt der Studienkreis zum Teil wenig bekannte Pflanzen, wie den
Stechenden Mäusedorn (
Arzneipflanze des Jahres 2002), um der Öffentlichkeit das große Spektrum der Heilpflanzen näher zu bringen. Oder er wählt, wie im Fall des
Efeus oder der
Pfefferminze (
Arzneipflanze des Jahres 2004), sehr bekannte Pflanzen, über deren Heilwirkung aber nur wenige Menschen Bescheid wissen.
Kontakt
Dr. Johannes Gottfried Mayer, Medizinhistoriker, T (0931) 83264 oder (0931) 888-3093, johannes.mayer@mail.uni-wuerzburg.de
Text und Bild: Robert Emmerich
Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit der Maximilians–Universität Würzburg
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