Die Eibe Taxus baccata (Linnaeus, 1753) ...... ist Baum des Jahres 1994Charakteristika, ErkennungsmerkmaleDie
Gemeine Eibe gehört zur Gattung der
Eiben aus der Familie der Eibengewächse / lateinisch
Taxaceae.
Auf der Nordhalbkugel kommen acht Arten vor.
Der immergrüne Nadelbaum erreicht selten Höhen über 20 m. Als Deutschlands älteste
Eibe gilt die Hintersteiner
Eibe im Allgäu, deren Alter auf ca. 2000 Jahre geschätzt wird. Sie hat einen Stammdurchmesser von etwa 1 m.
Häufig findet man
Eiben, die aus mehreren miteinander verwachsenen Stämmen, sogenannten Komplexstämmen, bestehen.
Die Krone einstämmiger Exemplare ist meistens breit kegelförmig, später abgerundet bis kugelig.
Das Astwerk ist stark verzweigt, stärkere Äste leicht hängend, an den Enden wieder ansteigend.
Der tiefgefurchte, häufig spannrückige Stamm trägt anfangs eine rötlichbraune glatte Rinde, die später zu einer graubraunen, sich in Schuppen ablösenden Borke wird.
Die Knospen haben eine Länge von 4–6 mm und sind rundlich bis eiförmig.
Die gestielten Nadeln sind etwa 15 bis max. 40 mm lang und 2 bis 3 mm breit. Oberseits glänzen sie dunkelgrün. Auf der Unterseite sind die Nadeln graugrün und zeigen zwei undeutliche Spaltöffnungsstreifen.
Die
Eibe ist zweihäusig, d. h. es gibt sowohl männliche Bäume mit Staubblüten, wie auch weibliche mit sehr unscheinbaren, winzig kleinen 1 bis 1,5 mm Blüten auf der Zweigunterseite.
Aus den weiblichen Blüten entsteht ein bräunlicher 6 bis 7 mm langer und 4 bis 5 mm breiter Samen, der von einem leuchtend roten saftigen Samenmäntelchen umschlossen ist.
Die Verbreitung der Samen ist wegen dieses für Vögel und Wild wohlschmeckenden Samenmantels gesichert. Der eigentliche holzige Samen wird unverdaut, aber keimfähig wieder ausgeschieden. Ohne diese Darmpassage liegt der Samen zwei Jahre über.
Vorkommen und VerbreitungDie Verbreitung der
Gemeinen Eibe beschränkt sich auf das mittlere und südliche Europa. Ihre Ostgrenze ziehen Gebiete mit strengen Wintern. Ihr vertikales Areal reicht von der nördlichen planaren über die kolline, in die südlichere montane Stufe hinauf bis 1400 m.
Sie bevorzugt Kalkstandorte, ist aber auch auf Braunerde–Böden anzutreffen. Meistens findet man Einzelbäume, Gruppen oder Horste eingemischt in Laubholzbestände. Selten findet man kleine geschlossene Eibenbestände, wie das Naturwaldreservat im niedersächsischen Forstamt Bovenden bei Göttingen.
Als andere Eibenbestände werden angegeben: der 18 ha große Ziesbusch (slawisch cis =
Eibe) mit 3500 Bäumen in der Tucheler Heide, ein Bestand von ca. 600 Stämmen auf der Vorderröhn in der Nähe von Dermbach sowie das Bodetal im Harz.
Verwendung – Ökologischer NutzenDas Holz der
Eibe zeigt einen schmalen gelblichweißen Splint und einen rotbraunen, an der Luft noch nachdunkelnden Kern. Es ist harzfrei, äußerst zäh, extrem elastisch und dabei sehr schwer und dicht. Wegen seiner speziellen Eigenschaften wurden aus Eibenholz vor der Erfindung des Schießpulvers vorwiegend Bogen und Armbrüste gefertigt.
Aber auch zur Herstellung von Möbeln, Schnitzereien und vielerlei Hausgeräten fand das wertvolle Holz vielfache Verwendung.
Dies führte zu Übernutzungen, die für den Rückgang der
Eibe in unseren Wäldern hauptverantwortlich sind. Z. B. exportierte Nürnberg im Jahre 1560 die gewaltige Menge von 36000 Eibenbogen nach Westen!
Nutzung und Wildverbiss haben zudem die Naturverjüngung oft nachhaltig verhindert.
Heute steht die
Eibe in vielen Ländern Europas unter Naturschutz, bei uns auf der Roten Liste für gefährdete und besonders bedrohte Pflanzenarten.
Heilkunde, Mythologie und BrauchtumDie gesamte Pflanze, bis auf den roten Samenmantel, enthält giftige Alkaloide (Taxin, Miloxin und Ephedrin) sowie das Glykosid Taxacatin.
Die Homöopathie verwandte Taxin früher als Antispasmodikum. Heute gewinnt man aus der Rinde das Krebsmittel Taxol, welches seit 1993 in Deutschland zugelassen ist und auch hergestellt wird.
In der Mythologie der Germanen führte der in Ydalis, den Eibentälern wohnende Jagdgott Uller einen Bogen aus Eibenholz.
Bei den Kelten war sie Baum der Druiden.
Plinius und Dioskorides bezeichneten die
Eibe als Baum des Todes, dessen Ausdünstung während der Blütezeit einen unter ihm Schlafenden töten könne.
Quellen: Alfred Dengler Waldbau auf ökologischer Grundlage. 6. Auflage, in 2 Bänden vollständig neubearbeitet von E. Röhrig u. H. A. Gussone.
I. Band: Der Wald als Vegetationstyp und seine Bedeutung für den Menschen. 1992. Hamburg und Berlin.
Erlbeck, Haseder u. Stinglwagner Das Kosmos Wald– und Forstlexikon, 1998. Stuttgart.
Kuratorium Baum des Jahres Faltblatt Die Eibe 1994 Verfasser: Prof. Dr. A. Roloff
B. Press Concise guide to trees, 1936. London.
C. W. Neumann Das Buch vom Deutschen Wald, 1936. Leipzig.
Fabricius, Gayer Die Forstbenutzung, 1919. Berlin.
Text und Bild: Kuratorium Baum des Jahres
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