Die Hainbuche Carpinus betulus (Linnaeus, 1753) ...... ist Baum des Jahres 1996Die
Hainbuche ist zwar ein Baum, der im Hain wächst, aber sie ist keine
Buche (
Baum des Jahres 1990). Denn sie gehört einer ganz anderen Familie an, den Birkengewächsen. Das erkennt man sofort an den Blättern. Die sind im Gegensatz zur
Buche (
Baum des Jahres 1990) am Rand doppelt gesägt und fühlen sich älter, härter an.
Sie ist ein Baum, der sich aufgrund seines begrenzten Höhenwachstums (nur bis etwa 20 m) von Natur aus fast immer mit dem Bestandesschatten (vor allem unter der
Rotbuche (
Baum des Jahres 1990) und der
Eiche (
Baum des Jahres 1989)) zufrieden geben muss und keine eigenen Bestände gebildet hat oder bildet. Sie ist an dieses Dasein allerdings durch eine relativ hohe Schattentoleranz angepasst.
Die
Hainbuche war im letzten Jahrhundert noch häufiger in unseren Wäldern zu finden als heute. Sie ertrug die damals weitverbreitete Mittelwaldwirtschaft wesentlich besser als die heute übliche Bewirtschaftungsform unserer Wälder.
Schwierigkeiten hat die
Hainbuche mit dem Wild und vor allem mit Mäusen. Beide schätzen diese Baumart sehr und können ihr erheblichen Schaden zufügen. Das Wild verbeißt die Zweige und Blätter, die Mäuse die Wurzeln. Die Knospen sind die Lieblingsspeise des Haselhuhns.
Sie ist daher im Wald in besonderem Maße auf die Hilfe des Menschen angewiesen. Diese Hilfe hat sie verdient, denn sie ist ökologisch außerordentlich wertvoll. Ihre Streu ist sehr leicht zersetzlich und der Lieblingsfraß von Regenwürmern.
Die
Hainbuche lässt ihre männlichen Blütenstände – Kätzchen – nackt überwintern, d. h. gut sichtbar und nicht in Knospen versteckt. Die weiblichen dagegen erscheinen erst beim Austreiben aus den Knospen. Der Blütenaufbau zeigt die nahe Verwandtschaft zu Hasel,
Birke (
Baum des Jahres 2000) und
Erle (
Baum des Jahres 2003), mit denen sie zusammen in eine Familie gehört.
Die Frucht ist wie bei
Ahorn (
Baum des Jahres 1995),
Esche (
Baum des Jahres 2001) und
Ulme (
Baum des Jahres 1992) eine Flügelnuss. Gleich 3 Flügel auf einmal sorgen bei Wind für eine Verfrachtung als sog. Schraubenflügler durchaus bis zu einem Kilometer weit.
Die Nüsschen hängen besonders hübsch angeordnet meist zu acht Paaren übereinander an den Zweigen und dienen einer Vielzahl von Vögeln und Nagetieren als Nahrung.
Die
Hainbuche übertrifft alle einheimischen Bäume in einer Eigenschaft, sie hat das härteste Holz. Daher nennt man es auch Eisenholz und den Baum
Hornbaum oder
Steinbuche. 800 kg wiegt ein Kubikmeter Holz dieser Baumart. Aus diesem Grunde war das Holz früher, als Eisen noch knapp und teuer war, wichtig für stark beanspruchte Fahrzeug– und Maschinenteile (Zahnräder, Achsen, Speichen, Holzschrauben u. ä.).
Wegen des sehr hellen Holzes wird sie auch
Weißbuche genannt und wurde für weißgescheuerte Milchkübel und Butterfässer verwendet.
Unverwechselbar ist der silbrig–graue Stamm der
Hainbuche wegen seiner Spannrückigkeit – man sieht und fühlt die Ein– und Ausbuchtungen der Stammoberfläche, die Wellen im Holz. Es sieht aus, als ob sich die Wurzeln bis in die Krone hinein fortsetzen würden. Ein weiteres gutes Erkennungsmerkmal: die Blätter der
Hainbuche sehen das ganze Jahr über so aus, als hätten sie sich nicht richtig entfaltet.
Ein anderer Name dieser Baumart ist
Hagelbuche. Er hat seinen Ursprung in der Beliebtheit der
Hainbuche als Hecken. Sie diente lange Zeit zum Ein–Hagen von Feldern und Wiesen.
Die
Hainbuche hält die größte Verstümmelung aus – man kann sie zurechtschneiden, wie man will, sie nimmt es nicht übel.
So war es ihr Schicksal, vor allem im 18. Jahrhundert, als man die Natur ordentlich und sauber herrichten wollte, für schnurgerade Hecken um Grundstücke und Parks herhalten zu müssen. Man presste sie sogar in rechteckige, kastenförmige und quadratische Formen, wobei kein Ast oder Blatt aus der Reihe tanzen durfte. In Barockgärten sind es oft
Hainbuchen, aus denen die absonderlichsten Formen geschnitten werden, zum Teil als Nachbildungen von Lebewesen oder als Laubengänge.
Neben der Schnittverträglichkeit ist für
Hainbuchen–Hecken besonders vorteilhaft, dass die Blätter im Winter lange am Baum hängen bleiben und dem Sicht–, Lärm– und Windschutz dienen. Zugleich ist sie als Hecke ein beliebter Brutplatz für Vögel. Eine Hainbuchenhecke zeigt im Jahreslauf ein interessantes und abwechslungsreiches Farbenspiel: hellgrün beim Austreiben, dunkelgrün im Frühsommer, dann beim zweiten Austrieb wieder heller vor dem dunklen Grün der älteren Blätter, und schließlich im Herbst zunächst goldgelb und am Ende braun.
Ortsnamen wie Hagenbusch, Heinbuch, Heimbuch deuten auf ihre früher größere Verbreitung hin.
So ist auch der Name des Ortes Breitenbuch im Odenwald auf die ca. 300jährige, einzelstehende
Hainbuche zurückzuführen, die das Kalenderbild darstellt. Der Baum hat einen Stammumfang von rund 4,5 m in 1 m Höhe und einen Kronendurchmesser von über 20 m. Die Bilder hat die Baummalerin Frau E. Heine–Jundi aus Oberwinter bei Bonn zur Verfügung gestellt.
Quelle: Kuratorium Baum des Jahres Faltblatt Die Hainbuche 1996 · Verfasser: Prof. Dr. A. Roloff
Text und Bild: Kuratorium Baum des Jahres
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