Schwarz–PappelFoto: KBJ
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Schwarz–Pappel
Populus nigra
(Linnaeus. 1753)
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Die Schwarz–Pappel Populus nigra (Linnaeus, 1753) ...
... ist Baum des Jahres 2006
Pressemitteilung des Kuratoriums Baum des Jahres ( KBJ )
Schnellwachsender Riese mit Holzschuhen
Dies gab der Vorsitzende des Kuratoriums Baum des Jahres, Dr. Silvius Wodarz am 20.10.05 in Berlin bekannt.
Die Europäische Schwarz–Pappel (Populus nigra L.) gehört zu den Baumarten, die eigentlich weit verbreitet sein müssten, aber inzwischen so selten geworden sind, dass sie in den Roten Listen bedrohter Pflanzenarten stehen. Die Gründe dafür sind vielfältig: vor allem Veränderung (Grundwasserabsenkungen) und Verluste (Rodung) natürlicher Flussauen durch Menschen sowie vermehrte Verwendung von anderen noch rascher wachsenden nicht heimischen Pappelarten oder Kreuzung mit ihnen. So kommt es, dass ältere, echte Schwarz–Pappeln schon eine kleine Sensation sind. Sie werden daher in mehreren Ländern Europas und einigen deutschen Bundesländern erfasst und kartiert.
Unverwechselbare Erkennungsmerkmale: Fast so breite wie hohe Kronen mit weit ausladenden Ästen und mit ziemlich großen Blättern, die schon bei leichtem Wind auffallend flattern. Bei alten Bäumen eine richtig schöne, eindruckvolle, dunkle Netz – Borke (Schwarz–Pappel), Brettwurzeln und Wülste/Knollen mit jungen Trieben. Die Blätter (kdreieckiger, rautenförmiger Umriss, lang ausgezogene Spitze) sitzen an einem ca. 8 cm langen Stiel, der nicht rund sondern seitlich zusammen gedrückt ist. Wegen der mehr als Band– als als Röhre geformten Stiele können die Blätter so unruhig wedeln (noch ausgeprägter bei der Zitter – Pappel). Die Blätter werden durch die Luftbewegung gekühlt, die Verdunstung wird gefördert, dadurch wird der Wasserstrom aus den Wurzeln mit den in ihm gelösten Nährstoffen beschleunigt und das führt schließlich zur Anregung des Wachstums. Außerdem lassen die beweglichen Blätter mehr – auch Wachstum förderndes – Licht in das Innere der Krone. (Schnellwachsender Riese). Die Blattform ist sehr variabel und also kein sicheres Erkennungsmerkmal der Schwarz–Pappel. Die Blüten in ca. 10 cm langen, unauffälligen Kätzchen erscheinen im April und vor dem Laubaustrieb. Dadurch wird die Verbreitung des Pollens nicht durch schon vorhandene Belaubung behindert. Auf einem Baum befinden sich entweder nur männliche (rötlich) oder nur weibliche (gelb–grün) Blüten. Das blühfähige Alter ist bereist mit 10 Jahren erreicht. Die Früchte sind Kapseln, die schon Ende Mai/Anfang Juni reif sind. Sie platzen am Baum auf und lassen die flaumigen Samen herausfallen. Der Wind trägt die Wattebüschel über weite Strecken – fast jeder kennt diesen Pappelschnee. Interessant kann die Verwendung des Pappelflaum als Füllung von Kissen und Decken und neuerdings auch als Isoliermaterial werden. Die Fasern halten so warm wie Daunen, leiten aber wesentlich besser und schneller die Feuchtigkeit weiter. Kein Textilmaterial schafft die Kombination zwischen Leichtigkeit, Wärmeisolation und Feuchteverhalten besser als Pappelflaum. In Nordamerika nennt man Pappeln auch Cottonwood – Tree (Baumwoll–Baum). Der Name Schwarz–Pappel geht auf die im Vergleich zu anderen Pappeln dunkle Rinde zurück. Ältere Bäume bilden eine eindrucksvolle Netzborke aus. Die Wurzeln können sich sehr weit vom Stamm aus im Oberboden ausbreiten. Sie wachsen aber nicht unter die mittlere Grundwasserlinie und sind daher als Uferbefestigung nur bedingt geeignet. Schwarz–Pappeln können 35 m hoch und 2 m dick werden. Ihr Höchstalter sind beachtliche etwa 200 Jahre.
Weltweit gibt es etwa 60 Pappelarten. Die zweifelsfreie Bestimmung z. B. einer Schwarz–Pappel erfolgt durch einen Gentest (unkompliziert bei Landesanstalten oder wissenschaftlichen Einrichtungen durchzuführen). In Deutschland sind bisher nicht mehr als 3000 Altbäume der Schwarz–Pappel sicher identifiziert. Relativ verbreitet ist eine durch Mutation (das ist eine spontane, ungerichtete Änderung des Erbgutes) entstandene Varietät der Schwarz–Pappel, die zypressenartig wachsende Pyramidenpappel. Mit ihr kann man auch nördlich der Alpen Toskanastimmung erzeugen.
Die Heimat der Schwarz–Pappel ist ganz Europa – ausgenommen der Norden – wegen des Wärmebedarfs. Wegen ihres hohen Licht–, Wasser– und Nährstoffbedarfs gehört die Schwarz–Pappel zu den konkurrenzschwachen Baumarten, die fast nur in natürlichen Weichholz – Auenwäldern direkt am Flussufer eine Chance haben. Eine große Zahl von Insekten lebt auf Pappeln – einige speziell auf der Schwarz–Pappel. Auch Bieber mögen Pappeln! Das weiche Holz ist attraktiver Lebensraum für viele Holz zersetzende Pilzarten.
Das Holz hat eine nur geringe Nutzholztauglichkeit, eignet sich aber gut zur Herstellung von Spanplatten und Zellstoff. Bekannt: Holzschuhe ( Klompen – Boom in Holland).
Zukunftsträchtig sind Energieholzplantagen (kein Wald!); zusätzlicher Effekt: Bindung von Kohlendioxid.
Mit Schwermetallen belastete Böden lassen sich mit Pappeln entgiften.
Bioindikator zum Nachweis von Umweltbelastungen.
In der Naturheilkunde Verwendung als Tee, Creme, Salben, Medizinischer Spiritus und Kohle.
In der Antike galt die Pappel als Baum der Trauer und der Unterwelt
Fazit: Schwarz–Pappeln benötigen dringend mehr Beachtung, Schutz und Pflege.
(Stopp der Schrumpfung des Lebensraumes). Wir rufen dazu auf!
Text und Bild: Kuratorium Baum des Jahres
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