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Fluss
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Der Fluss ...
... ist Biotop des Jahres 2000–2001

Wasserbau und Wasserwirtschaft wurden bereits in den frühen Hochkulturen in Mesopotamien und Ägypten betrieben. Ziel des Wasserbaus war dabei, Wasser zurückzuhalten und gleichmäßig zu verteilen, um das Land in einen „blühenden Garten“ zu verwandeln. Im niederschlagsreichen Mitteleuropa dagegen, insbesondere auch im Wetteraukreis, lag das Hauptaugenmerk des Wasserbaus auf einem möglichst schnellen und schadlosen Abfluss des Wassers. Dazu wurden Flüsse und Bäche ausgebaut und reguliert und die Täler der Wetter, Usa, Nidda, Nidder, Horloff und des Seemenbaches von der Naturlandschaft in eine Kulturlandschaft umgewandelt. Die Untere Naturschutzbehörde des Wetteraukreis stellt diese Entwicklung dar.

Bereits im 18. Jahrhundert begann der Ausbau der großen Flüsse in Mitteleuropa. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts waren auch im Wetteraukreis fast alle Flüsse begradigt und eingedämmt. Ziel war dabei die Nutzung der Wasserkraft zur Energiegewinnung, der Hochwasserschutz für Siedlungen und die Gewinnung landwirtschaftlicher Nutzflächen im Auenbereich.

Die Nidda ist das am nachhaltigsten und weitgehendsten regulierte Fließgewässer im Wetteraukreis. Dies bezieht sich in besonderer Weise auf den Unter– und Mittellauf. Einst mäandrierte der Fluss in zahllosen Schleifen und Seitenarmen in einer kilometerbreiten Aue und mündete in einem reich verzweigten Delta in den Main. Diesem naturnahen Zustand wurde bereits im 18. Jahrhundert durch einfache wasserbauliche Maßnahmen wie dem Durchstoß kleiner Flussschlingen begegnet.

In den Jahren 1820 – 1840 und insbesondere 1886 kam es zu ersten umfassenden Regulierungen durch den Bau von Uferaufhöhungen und Durchstichen der größten Flussschleifen bis Frankfurt–Rödelheim sowie bei Klein–Karben und Ilbenstadt. Von 1961 bis 1973 erfolgte der „Regelausbau“ von Frankfurt bis Florstadt.

Im Gegensatz zur Nidda sah die Regulierung der Nidder keinen „Regelausbau“ mit einheitlichem Trapezprofil vor. Die jüngeren Regulierungsmaßnahmen des 20. Jahrhunderts umfassten auf die größten Flussschleifen begrenzte Begradigungen. Betroffen davon waren vor allem die Flussabschnitte zwischen Enzheim und Glauburg. Weiterhin wurden zahlreiche Mühlkanäle verfüllt.

Die Wetter ist der am geringsten in seinem natürlichen Verlauf veränderte Fluss im Wetteraukreis. Gravierende Laufkorrekturen und Ausbauten in Form eines gehölzfreien Regelprofils wurden nach 1945 lediglich im Abschnitt zwischen Bauernheim und Dorheim vorgenommen.

Der Lauf der Usa ist insbesondere im Bereich zwischen der Mündung in Friedberg und Ober–Mörlen mehrfach und massiv reguliert worden!

Die Horloff gehört in ihrem Lauf von der Mündung bis nach Trais–Horloff neben der Nidda zu den am nachhaltigsten regulierten Flüssen im Wetteraukreis. Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Fluss weitgehend in ein von Dämmen gefasstes geradliniges Grabensystem „gepresst“, dessen Ufer praktisch ohne natürlichen Gehölzbewuchs blieben.

Beim Seemenbach schließlich sind schon um 1840 und mehr noch zu Anfang des 20. Jahrhunderts ganze Abschnitte zwischen Düdelsheim und Büdingen geradlinig ohne erkennbaren Gehölzsaum ausgebaut worden.

Allein in den Jahren 1960 – 1970 wurden in der Bundesrepublik Deutschland (West) ca. 25.000 km Fließgewässer nach ingenieurtechnischen Regeln und ohne Berücksichtigung landschaftsökologischer Zusammenhänge ausgebaut. Aber nicht nur die großen Flüsse, sondern auch kleinere Bäche und offene Entwässerungsgräben wurden in ein Korsett gezwängt. Außerhalb der Alpen sind nur noch ca. 10 % der Fließgewässer naturnah verblieben, Wildflusslandschaften gibt es nur noch in Resten.

Die technische Verbauung der Flüsse im 19. Jahrhundert leitete auch im Wetteraukreis drastische Veränderungen und Beeinträchtigungen der bis dahin noch natürlichen Fischfauna ein. Wanderwege wurden unterbrochen, Ruhezonen und Laichplätze zerstört, so dass die Fischbestände drastisch zurückgingen und Arten wie Meerforelle (Fisch des Jahres 1996), Strömer (Fisch des Jahres 1998) und Flussneunauge schließlich ausstarben. Die Gewässerverschmutzung beschleunigte diesen Prozess noch. Auch heute stehen noch 70 % der Arten der Süßwasserfische auf der Roten Liste gefährdeter Tierarten.

Aus dem Gewässerausbau resultierten außerdem Grundwasserabsenkungen und ein Wegfall von Überflutungen, wodurch die Flusstäler trockener wurden. Die Standortvielfalt der Flussauen und die Land–Wasser–Wechselbeziehungen gingen verloren und damit auch eine vielfältige Pflanzen– und Tierwelt. Durch den naturfernen Ausbau ist die Selbstreinigungskraft der Gewässer als wichtige Funktion im Naturhaushalt beeinträchtigt.

Mit den Hochwasserereignissen an Weihnachten 1993 und im Januar 1995 an Rhein und Oder wurden auch einer breiten Öffentlichkeit die Folgen des Gewässerausbaus (und der zunehmenden Flächenversiegelung) bewusst. Es hat sich gezeigt, dass bei naturnahen Flusssystemen (z. B. die Loire in Frankreich) Starkniederschlagsereignisse zu wesentlich geringeren Auswirkungen für Mensch und Natur führen, als dies an Rhein, Mosel , Main oder Nidda der Fall war.

Ökologische Gesichtspunkte müssen im Wasserbau verstärkt berücksichtigt werden. Das beinhaltet den Erhalt der Auen als natürliche Überschwemmungsgebiete und die Rückverlagerung von Deichen zur Erweiterung der Überschwemmungsfläche bei bereits ausgebauten Flüssen. Dies geschieht im Wetteraukreis zur Zeit an zahlreichen Stellen vor allem der Nidda im Raum Karben bis Wöllstadt, Florstadt, Ranstadt und Nidda. Auch bei Nebengewässern ist die Renaturierung, d. h. die Überführung in einen naturnäheren Zustand (nicht Urzustand), verstärkt zu betreiben, was zur Dämpfung der Hochwasserwellen bereits im Einzugsgebiet beiträgt. Wichtig ist, Wechselbeziehungen zwischen Fluss und Umland wieder zu verstärken. Gewässerbett und Uferbereich sind je nach Eigenart des Gewässers vielfältig und nicht nach Regelprofilen zu gestalten.

Presseinformation zum Biotop der Jahre 2000/2001 vom:
Wetteraukreis: Pressestelle / Meldungen / Dezernat B
Gewässerausbau im Wetteraukreis
Lebenraum Fluss „Biotop des Jahres 2000
 
 
 
1999     Biotop     2001

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Seite aktualisiert  23.22.2007