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Sumpf–Calla
Foto: Stiftung Naturschutz Hamburg
Sumpf–Calla, Drachenwurz
Calla palustris
  (Linnaeus, 1753)

Die Sumpf–Calla   Calla palustris (Linnaeus, 1753) ...
... ist Blume des Jahres 1988

Die Sumpf–Calla oder Drachenwurz benötigt Feuchtgebieten als Standort
von Wolfgang Altendorf

Schon immer gefährdet
Die Sumpf–Calla oder Drachenwurz, auch „Schweinsohr“ wegen der Form ihrer Blätter oder „Sumpf–Schlangenwurz“ genannt – diese Bezeichnung auf eine ihr zugeschriebene angeblichen Wirkung gegen Schlangenbisse zurückgeführt –‚ war schon immer sehr selten und seit Jahrhunderten in ihrer Existenz gefährdet. Mit Trockenlegung von Sümpfen zur Urbarmachung für die landwirtschaftliche Nutzung fing es an. Dadurch wurden viele Standorte für die „Calla palustris“ – so ihr wissenschaftlicher Name – zerstört. Sie behielt eigentlich nur noch „zufällig“ optimale Lebensmöglichkeiten, an belassenen Tümpeln etwa, an den notwendigen Entwässerungsgräben; in unserer Zeit – in naturgeschützten Feuchtgebieten, sofern, diese von Schadstoffeinleitungen freigehalten werden konnten. So fand die Drachenwurz (wie die Stiftung beobachten konnte) neue, offenbar für sie sehr günstige Bedingungen in den Entwässerungsgräben der Hamburger Marschgebiete. Dennoch gilt sie weiterhin als höchst selten und schon von dieser Seltenheit her als in ihrer Existenz äußerst gefährdet.

Feuchter Standort auch wichtig wegen Bestäubung
Die Drachenwurz ist nicht nur ihrer charakteristischen Struktur wegen auf Feuchtgebiete angewiesen. Auch ihre Fortpflanzung hängt davon ab, gilt sie doch als eine der wenigen Pflanzen, die nicht von Insekten, vielmehr von Schnecken bestaubt werden. Und diese sind ebenso feuchtigkeitsbedürftig. Eine solche eigentümliche Anpassung über Jahrmillionen hinweg, macht die Pflanze für den Botaniker hochinteressant. Als Araceae, als Aronstabgewächs, bietet sie auch dem weniger wissenschaftlich ausgebildeten Naturfreund mit den sattgrün–fettglänzenden großen, vielleicht herzförmigen Blättern, dem auf der Oberseite weißen auf der Unterseite grünlichen, ebenfalls großen Blütenblatt und dem zuerst grünen, in der Reife dann roten Kolben, einen fast exotischen Anblick. Sie zählt als einkeimblätterige, ausdauernde Blütenpflanze zu den ästhetisch besonders schönen, geglückten Gebilden der pflanzlichen Natur. Dabei ist die Drachenwurz giftig. Wie sich diese Giftigkeit real auf Warmblütler, also auch auf den Menschen, auswirkt, konnte allerdings bisher kaum ergründet werden: ihr Aussehen nämlich ermuntert keineswegs, etwa die Blätter oder die Wurzeln als Beinahrung zu versuchen; auch sind Verwechslungen mit anderen, essbaren Pflanzen eigentlich nicht möglich. Toxologen nehmen Aroin als Toxikum, als Gift, in ihr an.

Wurde sie mit dem „Schlangenkraut“ verwechselt?
Wieso nun ausgerechnet diese Drachenwurz als Mittel gegen Schlangengift dienen sollte, und welche realen Beobachtungen sie über Jahrhunderte hinweg dafür prädestiniert glaubten, bleibt ebenfalls unerfindlich. Möglicherweise liegt hier eine Verwechslung mit dem nah verwandten sogenannten „Schlangenkraut“ vor (Arum dracunculus), das allerdings mit dieser erwünschenswert–therapeutischen Eigenschaft ebenfalls nicht glänzen kann. Dafür wurde sie schon im frühen Mittelalter und gerne als Motiv für Wappenverzierungen benutzt: der „Drachentöter“ spielte in der Mythologie stets eine besondere, vor jeglichem Unheil bewahrende Rolle.

Streng geschützt
Unsere Drachenwurz ist streng geschützt und leicht in ihrer äußeren Gestalt zu erkennen. Der Kolben am unteren breiten Ende des Blütenblattes bildet sich im Mai. Er erscheint – wie gesagt – zuerst grün, später durch dann reif ausgebildete Beeren rot. Die Pflanze kann bis über einen halben Meter hoch werden, begnügt sich zumeist aber mit etwa 30 cm. Sie darf nicht gepflückt, auch nicht sonst zerstört oder ausgegraben werden. Ihre Wahl zur „Blume des Jahres 1988“ empfiehlt sie jedem von uns zu besonderem Schutz. Wer sie entdeckt, der sollte vor allem ihren Standort sichern helfen. Die Bewahrung oder Neuanlage von Feuchtgebieten, dort wo sie sich von der Landschaft her anbieten, sind eine der wichtigen Voraussetzungen ihrer Erhaltung.

Text und Bild: Stiftung Naturschutz Hamburg
 
 
 
1987     Blume     1989

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Seite aktualisiert  23.01.2006