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Silberdistel
Foto: Stiftung Naturschutz Hamburg
Silberdistel
Carlina acaulis
  (Linnaeus, 1753)

Die Silberdistel   Carlina acaulis (Linnaeus, 1753) ...
... ist Blume des Jahres 1997

Aussehen
Die Silberdistel gehört zur Familie der Korbblüter. Ihr aus vielen Einzelblütchen zusammengesetzter Blütenstand (Blütenkörbchen oder –kopf) wird von einem Kranz silberfarbener Hüllblätter umgeben, denen diese Blume den Namen Silberdistel verdankt. Die Blütenköpfe können bis zu 13 cm Durchmesser erreichen.
Der lateinische Artname acaulis = stengellos weist auf die Wuchsform dieser Pflanze hin: Die Blütenköpfe besitzen nur einen sehr kurzen Stiel, und die Pflanze liegt als Wildform fast immer mit flach ausgebreiteten Blättern dem Boden auf. Für gärtnerische Zwecke wurden allerdings Exemplare mit längerem Stiel (Carlina acaulis ssp. simplex) ausgelesen und züchterisch weiterbearbeitet, so dass Gartenformen eine Höhe von 50 cm erreichen können. Die Silberdistel blüht von Juni bis September, in milden Wintern sogar im Dezember und Januar.

Name
Ihren in Bayern und Österreich gebräuchlichen Namen „Wetterdistel“ verdankt die Pflanze der Eigenschaft, bei feuchter Witterung die Hüllblätter über den Blütenkopf zu neigen und dadurch die Blüten vor Regen zu schützen. Das Einkrümmen der Hüllblätter ist ein rein physikalischer Vorgang, der abhängig vom Grad der Luftfeuchtigkeit ist, so dass man die Pflanze geradezu als Hygrometer (Feuchtigkeitsmesser) benutzen kann.
Der Name „Eberwurz“ bezieht sich möglicherweise darauf, dass die Wurzel der Silberdistel von Schweinen aus dem Boden gewühlt und gern gefressen wird. Auch glaubte man früher, dass Schweine besser wachsen würden, wenn Silberdistelwurzeln verfüttert würden.
Der Blütenboden der Silberdistel ist, ähnlich dem der ihr nahe verwandten Artischocke (Arzneipflanze des Jahres 2003), essbar und soll einen nussartigen Geschmack haben. Die Wurzel wurde früher in der Volksmedizin innerlich als Mittel zum Harntreiben und zum Erbrechen, äußerlich auch zur Desinfektion von Wunden verwendet, spielt heute pharmazeutisch jedoch kaum noch eine Rolle. Sie ist aber Bestandteil eines als „Schwedentrunk“ bekannten Magen–Darmmittels.

Vorkommen
Die Silberdistel wächst auf mageren, kalkhaltigen Trockenrasen, in lichten Gehölzen und auf steinigen Hängen.
Sie ist vom mittleren Westeuropa über Südeuropa bis Mittelrussland verbreitet. In der Bundesrepublik liegt ihr Verbreitungsschwerpunkt in den Alpen und in den Kalkgestein führenden Mittelgebirgen. Hier wächst sie häufig in Gesellschaft mit der Küchenschelle (Blume des Jahres 1996), der Blume des Jahres 1996. Die Nordgrenze ihrer Verbreitung wird im Vorharz erreicht.
Auch auf den stiftungseigenen Grundstücken des botanischen Lehrpfads am Sutzerberg bei Königstein in der Oberpfalz (Bayern) kann die Wetterdistel auf einigen vom Gartenbauverein Königstein gepflegten Wiesen betrachtet werden; sie steht hier in unmittelbarer Nachbarschaft zur Blume des Jahres 1996, der Echten Kuhschelle.

Gefährdung
Wegen ihrer stachligen Blätter wird die Pflanze vom Weidevieh gemieden. Da die Blattrosette einen beträchtlichen Raum einnimmt, stellte die Silberdistel für Landwirte früherer Zeiten eine lästige Konkurrenz zu den Futtergräsern dar und wurde soweit als möglich durch Ausgraben der tiefreichenden Pfahlwurzel von den Trockenweiden und Triften entfernt. Dies allein kann aber nicht den heutigen Rückgang der Art erklären.
Angepasst an nährstoffarme und –ärmste Standorte wird die Silberdistel durch den allgemeinen Nährstoffeintrag über Luft und Regen beeinträchtigt, da sie schnell von nährstoffliebenden Pflanzenarten überwachsen und erdrückt werden kann. Auch eine Beschattung durch Büsche und Bäume, wie sie nach dem Brachfallen der vom heutigen landwirtschaftlichen Standpunkt aus unrentablen Flächen ohne Pflegemaßnahmen einsetzt, wird von der Silberdistel nicht ertragen. Gefährlich sind auch Wintersportaktivitäten, die den Bodenbewuchs schädigen.
In mehreren Bundesländern wird die Silberdistel auf den Roten Listen in den Kategorien „gefährdet“ oder „stark gefährdet“ geführt. Wegen massiver Bestandseinbrüche am nördlichen Verbreitungsrand ist sie in Niedersachsen „vom Aussterben bedroht“. Nur in Bayern und Baden–Württemberg sind manche Bestände noch nicht akut gefährdet.

Schutz
Aus Gründen des Heimatschutzes wurde die Silberdistel bereits in den zwanziger Jahren in Deutschland unter Schutz gestellt. Sie gehört heute zu den nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützten Pflanzen und darf nicht beschädigt oder von ihrem Standort entfernt werden.
Wer sich jedoch an dieser attraktiven Pflanze in seinem Garten erfreuen will, kann sie in Staudengärtnereien beziehen.

Text und Bild: Stiftung Naturschutz Hamburg
 
 
 
1996     Blume     1998

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Seite aktualisiert  23.22.2007