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Blutroter Storchschnabel
Foto: Stiftung Naturschutz Hamburg
Blutroter Storchschnabel
Geranium sanguineum
  (Linnaeus, 1753)

Der Blutrote Storchschnabel   Geranium sanguineum (Linnaeus, 1753) ...
... ist Blume des Jahres 2001

Der Blutrote Storchschnabel ist ein Kind der Sonne und der Wärme. Auf den trockensten Muschelkalkbänken prangt diese niederliegende bis aufsteigende Staude von Mai bis September am Rand von Büschen mit intensiv leuchtenden Blüten. An bunten Wegsäumen tummeln sich viele Insekten, Tag– und Nachtschmetterlinge, Bienen, Fliegen und Käfer, für die die Kombination aus Sonne und nektarspendenden Blüten lebenswichtig ist. Dabei können Bienen die Blüten des Blutroten Storchschnabels nur ansteuern , weil die Blütenfarbe kein reines Rot ist, sondern blauviolette Töne enthält, denn reines Rot können Bienen nicht als Farbe wahrnehmen.

Für diese Bestäuber hat die Evolution der Pflanze ein Besucher–Programm in ihr Erbgut einprogrammiert, das mit dem Öffnen der Blüten abläuft: Die 10 Staubblätter sind in zwei Kreisen angeordnet, einem inneren und einem äußeren zu je 5. Zuerst sind die äußeren Staubblätter reif , die Staubbeutel springen auf und werden durch einen raffinierten Mechanismus dem Körper besuchender Insekten angeschmiegt und danach wieder in die ursprüngliche Lage zurückgeführt. Nachdem der innere Kreis der Staubblätter dann herangereift ist und seine Aufgabe erfüllt ist, wird die männliche Phase der Blüte abgeschaltet. Während des Abblühens der Staubblätter sind die fünf in der Mitte der Blüte aus dem Fruchtknoten aufsteigenden Griffel noch nicht ganz ausgewachsen. Sie bleiben dicht beieinander liegen, und ihre Narben sind für Insekten noch unzugänglich.

Wenn sich dann die Staubblätter beiseite gebogen haben, ihre Staubbeutel fast verschwunden sind, dann streckt sich erst der noch einheitlich scheinende Griffel und seine Äste entfalten sich. Die Narben an den Innenflächen des Griffels sind nun Bestäubern zugänglich. Jetzt ist die Blüte in ihrer weiblichen Phase. Was hat die Pflanze von dieser Steuerung der Blütenphasen? Genetische Vielfalt ist lebenserhaltend. Je vielfältiger ein Tier– oder Pflanzenbestand einer Art in seiner genetischen Ausstattung ist, um so größer die Wahrscheinlichkeit für ein längeres Überleben unter vielleicht wechselnden Lebensbedingungen. Genetische Vielfalt wird aber durch Selbstbestäubung gefährdet, weil immer nur gleiche Gene zusammenkommen würden. Das wird durch Fremdbestäubung verhindert.

Für die Verbreitung der Samen hat die Natur einen besonderen Mechanismus entwickelt: Der „Storchschnabel“ ist die Frucht, die beim Aufreißen die Samen herauszuschleudern vermag.

Gerne steht diese Pflanze im Saum von Trockenbüschen und –wäldern an Böschungen und exponierten Hängen. Mager ist der Boden in der Regel – sonst wächst ihr die Konkurrenz über den Kopf und verschattet sie. Bodensäure mag sie nicht. Mit ihrem Wurzelwerk kriecht sie weit zwischen alle Kalkplatten und kann so aus großen Tiefen die Wasserversorgung sichern. Der fleischige Wurzelstock dient als Wasserspeicher. Anders als bei manchen verwandten Arten sind die Blätter tief siebenspaltig und bieten keine große verdunstende Oberfläche. Man sucht vergeblich nach ihr im wasserreichen und aus meist sauren Gesteinen aufgebauten Harz, dem Thüringer Wald oder Bayerischen Wald . Im nordwestdeutschen Flachland hat der Blutrote Storchschnabel nur wenige Vorkommen und steht hier auf den Roten Listen z. B. des Landes Schleswig–Holstein. Dort kann man ihn z.B am Geltinger Birk bewundern.

Auch wenn die Pflanze in ihren Hauptverbreitungsgebieten nicht selten ist, so fehlen doch mehr und mehr die offenen sonnenexponierten Standorte, weil die Pflege solcher Lebensräume vielerorts nicht geleistet werden kann. Gerät die Pflanze in den Schatten des Waldes, so lässt ihre Vitalität nach. Der Blutrote Storchschnabel, von dem es auch verschieden Zuchtsorten gibt, kann für sonnige Stellen in Gärten sehr empfohlen werden. In jeder halbwegs gut sortierten Staudengärtnerei dürfte die Pflanze erhältlich sein.

Text und Bild: Stiftung Naturschutz Hamburg
 
 
 
2000     Blume     2002

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Seite aktualisiert  23.22.2007