Die Nickende Distel Carduus nutans (Linnaeus, 1753) ...... ist Blume des Jahres 2008Begründung:
Die Flora und Spontanvegetation der Dörfer war vor ca. 25 Jahren ein Schwerpunkt-Thema von Fachveröffentlichungen, Untersuchungen und Veranstaltungen, so gab es bereits 1981 ein internationales Symposium im Rheinischen Freilichtmuseum Kommern/Eifel zum Thema: Erhaltung gefährdeter dörflicher Pflanzengesellschaften und historischer Nutzpflanzenkulturen (vgl. Schriftenreihe der Loki Schmidt Stiftung, Heft 3).
Während in der Vergangenheit der ländliche Raum mit einer Vielzahl von unversiegelten Teillebensräumen und Strukturen zwischen Hof- und Gebäudebereich, entlang von Mauern und Hecken, auf Abfall-, Zwischenlager- und Restplätzen etc. geprägt war, hat heute die sog. Verstädterung auch das Dorf verändert und insbesondere versiegelte Flächen hinterlassen.
Mit der
Nickenden Distel, eine Charakterart der sog. Dorfflora, soll das Thema noch einmal aktualisiert werden. Bis in die 80er Jahre waren ihre Bestände noch ausreichend vorhanden, inzwischen stufen drei Bundesländer (HH, SH, NS) die Art als gefährdet ein (Rote-Liste-Status: 3, vgl. aktuelle Abfragen, Bot. Verein zu Hamburg). Analysen über den regionalen Rückgang der dörflichen Biotope stellen nicht nur Einbuße bei der Vegetation, sondern immer auch bei der zugehöhrenden Fauna fest.
Carduus nutans ist eine Pflanze der ausdauernden Ruderalfluren, welche insbesondere Insekten und Vögeln wichtige Lebensgrundlagen bieten. Somit ist die
Nickende Distel Nahrungshabitat für Schmetterlingsraupen, Insektenlarven, sog. Körnerfresser, v.a. Finkenvögel wie
Stieglitz (auch Distelfink genannt), Futterpflanze für Falterarten (Feuriger - und Großer Perlmuttfalter, Graubindiger Mohrenfalter, Apollofalter, Mattscheckiger Braundickkopffalter, u.a.), Bienen- und Hummelweide. Die Schwebfliegen sammeln die Pollen, die Ameisen werden über den süßen Duft angelockt.
Name:
Carduus ist die römische Pflanzenbezeichnung für Distel. Ihr Zusatz
nutans bezieht sich auf den Habitus der nickenden Blütenstände. Carl von Linné nahm bereits 1758 die enge Beziehung zwischen Distel und
Stieglitz wahr und bezeichnete den Vogel folglich als
Fringilla carduelis.
Beschreibung:
Umgangssprachlich werden diverse Gattungen der Korbblütengewächse (
Asteraceae) als Disteln bezeichnet: Ringdisteln (
Carduus), aber auch Kratz-, Kugel-, Esels-, Marien- und Gänsedisteln. Zu der Gattung
Carduus zählen 120 z.T. schwer zu unterscheidende Arten. In Mitteleuropa ist jedoch die
Nickende Distel die häufigste Art. Mit ihren derbstacheligen Fiederblättern wirkt sie sehr wehrhaft, wird aber erst mit zunehmenden Alter vom Weidevieh gemieden. Die 30 - 100 cm hoch werdende Zweijährige bildet im ersten Jahr nur eine Blattrosette und dann im zweiten Jahr reich blühende Pflanzenstiele mit hängenden, purpurfarbigen Blütenköpfen, welche süßlich duften. Blütezeit: Juli bis September, nach der Fruchtbildung stirbt die Pflanze ab. Ihre flugfähigen Früchte fallen auf durch einen weißen, als Fallschirm wirkenden Haarkranz an der Spitze.
Herkunft:
Allgemein verbreitet in Europa.
Standort:
Wärmeliebend (thermophil), stickstoff-, auch kalkhaltige Böden werden bevorzugt. Oft an trockenen Standorten vor Mauern oder an Böschungen. Gerne in Ruderalsäumen entlang der Wegränder oder Heckenstrukturen. Die Spontanvegetation ist auf anthropogen stark beeinflusste Wuchsorte angewiesen, diese können auch Sekundärstandorte sein wie aufgelassene Steinbrüche, Kies- und Sandgruben (z.B. innerhalb des NSG Boberger Niederung), Bahnhöfe mit Gleisanlagen, Industriebrachen oder stillgelegte Hafenanlagen.
Verwendung:
- auf allen vollsonnigen unversiegelten Restflächen, Saumstrukturen, Brachen, welche in öffentlicher, halböffentlicher und privater Hand liegen *
- sonnig-trockene Restflächen im Privatgarten und vor Ihrer Haustür, an Hangböschungen, entlang der Grundstücksgrenzen, auf PKW-Stellplätzen, etc. *
* von
Carduus nutans gibt es Samen zu kaufen (einzeln oder in Gras-Kräuter-Mischungen, u.a. Rieger-Hofmann) oder sie sind in kleinen Portionen auch bei der Loki Schmidt Stiftung gegen Spende zu bekommen
Text und Bild: Stiftung Naturschutz Hamburg
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