Caperatflechte auf einem Zweig Pettstadt, Oberfranken Foto: BLAM / Wolfgang von Brackel
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Caperatflechte
Flavoparmelia caperata
((Linnaeus) Hale,)
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Die Caperatflechte Flavoparmelia caperata ((L.) Hale, ) ...
... ist Flechte des Jahres 2006
Die Bezeichnung Caperatflechte oder Runzelflechte geht auf Linné zurück (Lichen caperatus, Sp. Plantarum 1753), der die leicht erkennbare Blattflechte wohl aufgrund ihrer runzligen Oberfläche so benannte. Ihr wissenschaftlicher Name lautet heute Flavoparmelia caperata. Im niederländischen Sprachraum heißt sie Bosschildmos, worin ihr Lebensraum und ihre Form zum Ausdruck kommen: Sie besiedelt vornehmlich die Borke von Laubbäumen, kann aber auch an moosüberzogenen Felsblöcken gefunden werden. Die gelblichgrüne Flechte bildet bis zu 12cm breite, unregelmäßig gewachsene Rosetten, die aus abgerundeten, am Rand zuweilen eingekerbten, 1cm breiten Lappen bestehen. Die Lappenenden sind glänzend glatt und werden zur Lagermitte hin zunehmend runzeliger, um sich stellenweise sogar körnig aufzulösen. Diese recht groben Körnchen (Soredien) dienen der vegetativen, also ungeschlechtlichen Verbreitung der Flechte. Ihre Unterseite ist schwarz, am Rand kastanienbraun, und mit schwarzen Haftfasern hält sie sich an der Unterlage fest.
Aber warum ausgerechnet die Caperatflechte als Flechte des Jahres 2006? Erst seit rund zehn Jahren findet man die auffällige Flechte wieder häufiger an Bäumen in den deutschen Ballungszentren. Ein Grund hierfür ist die Entschwefelung der Kraftwerke und die Umstellung auf schwefelärmere Brennstoffe, ein anderer ihre enorme Ausbreitungsfähigkeit. Im Ruhrgebiet gehörte sie zu den Erstbesiedlern von Bäumen z. B. rund um die Westfalenhütte in Dortmund. Flechten sind wechselfeuchte Organismen ohne eine oberflächliche Schutzschicht, weshalb sie Luftschadstoffe nicht ausschließen können, sondern mit dem Niederschlagswasser aufnehmen müssen. Zudem sind sie eine Lebensgemeinschaft aus Algen und Pilzen, die in einer Hungergemeinschaft zusammenleben, wo jeder Partner dem anderen hilft. Und diese Gemeinschaft reagiert empfindlich auf Säure– oder Nährstoffeintrag. Letztere, die sogenannten eutrophierende Immissionen, sind derzeit die dominierenden Luftschadstoffe in Westeuropa. Die von Art zu Art unterschiedliche Empfindlichkeit der Flechten gegenüber verschiedenen Schadstoffgruppen und ihr hohes Ausbreitungspotential macht sie zu idealen Bioindikatoren für Immissionen. Darüber hinaus reagieren sie auch rasch auf klimatische Veränderungen. Und damit kommt ein inzwischen im Nordwesten Deutschlands häufig gewordener Doppelgänger der Caperatflechte ins Spiel: Flavoparmelia soredians. Diese Art hat keinen deutschen Namen, und ihre Heimat ist u. a. Westeuropa und das Mittelmeergebiet. Wie ihr Name andeutet, bildet auch sie Soredien, doch sind diese feinkörniger als im Fall der Caperatflechte. Sie ist insgesamt kleiner und schmiegt sich der Unterlage viel enger an als die Caperatflechte, und beide wachsen gelegentlich nebeneinander am selben Baum. Möglicherweise ist F. soredians infolge von Klimaveränderungen um die Mitte der 1990er Jahre von Westen her bei uns eingewandert, denn in alten Herbarbelegen wurde sie bisher nicht entdeckt. In Nordrhein–Westfalen entpuppt sich inzwischen, je nach Region, rund jede zehnte (Ostwestfalen) bis sechste (Rheinschiene) Caperatflechte bei näherem Hinschauen tatsächlich als Flavoparmelia soredians! Auch in den Niederlanden und in Frankreich wird dieses Phänomen beobachtet, wobei hier wie dort noch weitere Arten sich anscheinend ebenfalls infolge von Klimaverschiebungen ansiedeln und ausbreiten – und diese Veränderungen erfolgen rasch!
Text und Bild: BLAM
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