Isländisch Moos, schattiger Standort Foto: BLAM / Damien Ertz - National Botanic Garden of Belgium
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Isländisch Moos
Cetraria islandica
((L.) Ach.)
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Das Isländisch Moos Cetraria islandica ((L.) Ach., ) ...
... ist Flechte des Jahres 2007
Trotz seines irreführenden Namens ist das Isländische Moos, ebenso wie das Eichenmoos (Evernia prunastri) eine Flechte, genauer eine Strauchflechte. Diese volkstümlichen Bezeichnungen stammen aus einer Zeit, als man zwischen Moos und Flechte noch keinen großen Unterschied machte. Mit Cetraria islandica rückt die BLAM e.V. eine Flechte ins Rampenlicht, die von den Menschen seit Alters her als Nutz- und Heilpflanze verwendet wird. Sie gehört bei uns zu den gesetzlich geschützten Arten (Bundesartenschutzverordnung & Washingtoner Artenschutzübereinkommen), doch nicht nur durch das Sammeln, sondern auch wegen des Rückganges geeigneter Standorte wie Zwergstrauchheiden, Magerrasen oder lichter Wälder gilt sie in Deutschland und einigen Nachbarländern als gefährdet.
Wie der Namen schon andeutet ist Cetraria islandica in den Tundrengebieten Nordeuropas und den mitteleuropäischen Bergheiden oberhalb der Waldgrenze beheimatet. In den Heidegebieten des mitteleuropäischen Tieflandes (Niederlande, Deutschland, Belgien) findet man sie aber nur sehr selten, die Populationen sind meist stark geschrumpft, und es ist mancherorts eine Frage der Zeit, wann die letzten Vorkommen erloschen sind.
Erkennbar ist Isländisch Moos an seinem bandartig verflachten, etwas rinnig eingerollten, an den Enden geweihartig verzweigten Thallus. Dieser ist im Mittel 6 bis 10 mm breit, das gesamte Lager rund 6 cm hoch. An den Lappenrändern spitze, stiftartige Auswüchse. Die Farbe der Flechte ist oberseits kastanienbraun oder noch dunkler, während Schattenformen heller sind, olivegrün bis blassbräunlich. Die Unterseite ist heller, zuweilen weißlich, mit Durchbrechungen der Rinde, die der besseren Durchlüftung dienen. Fruchtkörper werden sehr selten ausgebildet.
Im Mittelalter, namentlich in Hungersnöten, hat man Isländisch Moos getrocknet dem Brotgetreide zugesetzt, um das Mehl damit zu strecken. Ebenso hat man daraus Suppen gekocht, die zwar wenig nahrhaft waren, aber den gröbsten Hunger linderten. Da Flechten als Doppelorganismen aus Algen und (vorwiegend) Pilzen bestehen, schmeckt so eine Flechtensuppe nach Pilzen - auch heute werden in Island noch im Supermarkt 100 g Plastiktütchen mit dieser Flechte verkauft, man muss allerdings wissen, wie man die Bitterstoffe vor der Zubereitung entfernt.
In den Alpen wurde Isländisch Moos im Winter an das Vieh verfüttert. Im Norden Skandinaviens wird Isländisch Moos gerne von Rentieren gefressen, was nach der Tschernobyl-Katastrophe nicht unproblematisch war, denn die Tiere hatten mit den Flechten auch eine hohe Menge Radioaktivität aufgenommen.
Isländisch Moos ist eine alte Heilpflanze und auch heute noch Bestandteil von vielen Lutschbonbons und Erkältungstees. Schleimstoffe lindern den rauen Hals, ätherische Öle fördern die Durchblutung, und einige der Flechtensäuren sollen eine antibiotische Wirkung entfalten.
(Text: JPF/NJS)
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