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Kalebasse
Foto: VEN / P. Theiss
Flaschenkürbis
Lagenaria siceraria
  ((Molina) Standl., 1930)

Der Flaschenkürbis   Lagenaria siceraria ((Molina) Standl., 1930) ...
... ist Gemüse des Jahres 2002

Der Flaschenkürbis – Lagenaria siceraria (Molina) Standl.
Der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) hat den Flaschenkürbis, auch Kalebasse genannt, zur Kulturpflanze des Jahres gewählt. Es ist die einzige Kürbisart, die vor der Entdeckung Amerikas in Mitteleuropa kultiviert wurde. Der Kalebasse wird als Gemüse des Jahres nicht nur vom VEN besondere Aufmerksamkeit zuteil. Die Kürbisgewächse – und natürlich auch Kalebassen – bilden den Schwerpunkt einer Ausstellung, die im Anschluss an den Deutschen Tropentag und die Festansprache aus Anlass des einhundertjährigen Bestens des Tropengewächshauses des Instituts für Nutzpflanzenkunde (INK) der Universität Kassel–Witzenhausen ab dem 11. Oktober und beim 5. Tag der Kulturpflanze vom 12. bis 13. Oktober 2002 in Witzenhausen besichtigt werden kann.

Informationen zum Tag der Kulturpflanze 2002:
Der Flaschenkürbis gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt. Ursprünglich wohl aus Afrika stammend, ist er in allen tropischen und subtropischen Gebieten als Kulturpflanze verbreitet und verwildert dort auch leicht. Sehr alte archäologische Nachweise gibt es nicht nur aus Afrika sondern z. B. auch aus Peru (um 6–12.000 vor der Zeitrechnung) und aus Thailand (um 8.000 vor der Zeitrechnung). Die harten, trockenen, wasserundurchlässigen und dabei sehr leichten Fruchtschalen ermöglichen eine weite Verbreitung der Früchte auch ohne menschliche Hilfe: Sie können sehr lange im Meerwasser treiben, ohne dass die Samen ihre Keimfähigkeit einbüßen. Es wird vermutet, dass die Art mehrfach domestiziert wurde. Die Formenmannigfaltigkeit der Früchte und Samen ist außerordentlich groß. Mit Sicherheit genoss und genießt die Kalebasse in technisch weniger perfekt ausgestatteten Zivilisationen ein höheres Ansehen als bei uns.

Junge Früchte, Blätter und Sprosse der bitterstoffarmen oder –freien Sorten können als Gemüse gekocht werden. Das Fruchtfleisch ist weiss, fest und hat einen milden Geschmack. Auch die geschälten Samen sind verwendbar, z. B. als Suppeneinlage. Ausgereifte Schalen werden u. a. als Vorrats– und Schmuckgefäße, Geschirr, Werkzeuge, als Schwimmer für Fischnetze, Musikinstrumente, Tabakdosen und Pfeifen, Weinheber (Österreich und Ungarn) und Vogelnisthöhlen (Nordamerika), –häuser und Grillenkäfige (China) verwendet, man kann Tanzmasken daraus herstellen (Ozeanien) und vieles mehr. Das Aufbringen von Brand– und Schnitzmustern ist sehr beliebt, aber auch das feste Einbinden noch wachsender Früchte führt zu interessanten Schmuck– und Gebrauchsgegenständen. In unseren Breiten ist die medizinische Verwendung weniger bekannt und dass man aus den Samen Öl gewinnen kann.

Synonyme und Volksnamen der Kalebasse Lagenaria siceraria (Molina) Standl.
Synonyme (bis Ende des 18. Jh.): Cucurbita lagenaria L.; Cucurbita siceraria Molina; Cucurbita hispida Thunb.; Cucurbita leucantha Duch. in Lam.; Pepo lagenarius Moench.
Deutsche Volksnamen: Flaschenkürbis, Kalebasse, Pilger–, Trompetenkürbis

Infraspezifische Gliederung
Von der Kalebasse sind zwei geographische, mit unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten korrelierende Unterarten beschrieben worden:
   ssp. siceraria (Afrika, Amerika; Samen im Umriss viereckig, Pflanze meist bitter, Früchte dickschalig, meist früher reifend)
      Synonyme: Lagenaria vulgaris Sér. ssp. africana Kobyakova (=ssp. vulgaris), Lagenaria siceraria var. laevisperma Millan; Lagenaria bicornuta Charkrav. und
   ssp. asiatica (Kobyakova) Heiser (Asien; Samen im Umriss dreieckig, Pflanze nicht bitter, Früchte dünnschaliger, meist spät reifend)
      Synonyme: Lagenaria vulgaris Sér.; Cucurbita vittata Blume; Lagenaria vittata (Blume) Sér.; Lagenaria cochinchinensis M.J. Roem.; Cucumis mairei Lev.; Lagenaria vulgaris Sér. ssp. asiatica Kobyakova.
Kreuzungen zwischen den beiden Unterarten haben zur Nivellierung der ohnehin schwachen Unterscheidungsmerkmale beigetragen. Auch die von I. Grebenšcikov vorgeschlagene Gliederung nach Fruchtformen hat sich bisher nicht durchgesetzt, soll hier aber der Vollständigkeit halber erwähnt werden:
   convar. clavatina Greb. (Frucht viel länger als dick, ohne plötzliche Verdickungen).
   convar. cugurdina Greb. (Frucht deutlich eingeschnürt, ein– bis zweibäuchig, mit relativ langem, scharf abgesetztem Hals).
   convar. siceraria (Frucht annähernd sphärisch, abgeflacht bis schwach verlängert, ohne deutlichen Hals oder Einschnürung).

Beschreibung
Die Flaschenkürbisse sind einjährige, dem Boden anliegende oder mit Hilfe ihrer verzweigten Ranken kletternde krautige Pflanzen. Ihre fast runden, am Grunde herzförmigen Blätter und Sprosse duften nach Moschus. Die fünfzähligen weißen Blüten sind eingeschlechtig und öffnen sich im Unterschied zu den gelben, tagsüber geöffneten der Kürbisgattung Cucurbita erst abends. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten. Die außerordentlich vielgestaltigen beerenartigen Früchte haben voll ausgereift eine harte, holzige Außenschicht (Panzerbeere). Das Fruchtfleisch wird schwammig und trocknet schließlich aus. Läuft dieser Prozess bei niedrigen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit ab, schimmeln die Früchte stark. Dadurch entstehen auf der Oberfläche unregelmäßige Muster. Wird bei einsetzender Schimmelbildung die Epidermis jedoch sorgfältig abgekratzt, für ausreichend Wärme und gute Durchlüftung gesorgt, trocknen die Früchte schnell und verfärben sich dabei weniger stark. Zusammen mit den Samen werden die Reste des Fruchtfleisches aus den jetzt ganz leichten, trockenen Früchten entfernt. Diese können dann weiterverarbeitet werden. Als Blech– und Kunststoffgefäße aufkamen und eine immer stärkere Verbreitung fanden, verlor der Flaschenkürbis in unseren Breiten rasch seine Bedeutung. In tropischen Ländern wird er noch heute gern verwendet – und bereitet im Gegensatz zu industriell hergestellten Gefäßen keine Umweltprobleme.

Anzucht, Pflege und Ernte
Ab Mitte bis Ende April kann man die Pflanzen im Gewächshaus oder auf der Fensterbank vorziehen. Die Samen keimen schneller, wenn sie über Nacht in warmem Wasser eingeweicht werden und dann 2–3 cm tief in den Boden gesteckt werden. Bei gleichmäßiger Feuchte, Zimmertemperatur und einem hellen Standort können die Pflänzchen nach den Eisheiligen ausgepflanzt werden. Besonders in der ersten Zeit sind sie für Windschutz (Hauben) dankbar. Nacktschnecken sind von den jungen Pflanzen unbedingt fernzuhalten.

Wie alle Kürbisse bevorzugen auch die Kalebassen einen humusreichen Boden (Kompost, gut verrotteten Mist). Sie benötigen eine vollsonnige Lage und beanspruchen eine große Fläche. Am besten gedeihen sie, wenn der Pflanzabstand nicht zu gering gewählt wird; 1m reicht in der Regel aus. Besonders günstig ist, sie an einem Spalier vor einer Südwand ranken zu lassen, den Boden mit Mulch (auch Laub oder Kompost) bedeckt zu halten und ihn nicht austrocknen zu lassen. Möglich ist auch eine Kultur an Rankgestellen aller Art, an Pergolen, Torbögen, Zäunen, auch an waagerechten Gestellen. Selbst Hecken und Bäume sind geeignet, wenn die wachsenden Pflanzen voll besonnt werden und das Wachstum ihrer Früchte nicht behindert wird.

Von den bitterstofffreien Formen können junge Früchte laufend geerntet und gekocht als Gemüse gegessen werden, desgleichen junge oder zu stark rankende Triebspitzen mit 2–3 Blättern. Bei den Früchten die ausreifen sollen und aus denen man Gefäße herstellen möchte ist wichtig, sie nicht zu früh abzunehmen. Sobald sich der Fruchtstiel gelb verfärbt und etwas glasig wird, kann man ihn dicht am Spross abschneiden. Spätestens nach den ersten leichten Frösten sind die restlichen Früchte zu bergen und wärmer zu lagern. Dazu wird jede Frucht einzeln und luftig am verbliebenen Fruchtstiel aufgehängt, z. B. auf Dachböden, in Gewächshäusern, Scheunen oder Schuppen.

Saatgutgewinnung
Kalebassensamen kann man käuflich erwerben oder aus den Früchten selbst gezogener Pflanzen gewinnen. Dazu werden die trockenen Früchte so vorsichtig geöffnet, dass ihre Weiterverarbeitung möglich bleibt. Die Samen müssen druckfest und gut ausgefärbt sein (meist dunkel, doch es gibt auch hellsamige Formen). Trocken und kühl gelagert, bleiben sie mehrere Jahre lang keimfähig.

Bei der Gewinnung eigenen Saatgutes ist zu beachten, dass von der Kalebasse meist keine reinen Sorten im Handel sind sondern Sortenmischungen angeboten werden. Da die Flaschenkürbisse zu den Fremdbefruchtern zählen, ist beim Nachbau derartiger Mischungen immer mit Überraschungen zu rechnen.

Bild und Text: VEN–Geschäftstelle
 
 
 
2001     Gemüse     2003

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Seite aktualisiert  19.21.2009