Das Tausendgüldenkraut Centaurium erythraea (Rafn, 1800) ...... ist Heilpflanze des Jahres 2004Einstimmig kürte eine Experten–Jury im Auftrag des
NHV Theophrastus (Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Theophrastus Bombastus von Hohenheim, gen. Paracelsus e. V.) das
Tausendgüldenkraut zur
Heilpflanze für das Jahr 2004. Nachdem die sehr bekannte
Salbei im Jahr 2003 als Preisträgerin den ersten Platz eroberte, ist es nun das doch eher unbekannte und meist im Verborgenen wachsende
Tausendgüldenkraut. Dabei muss sich diese Heilpflanze keineswegs verstecken, denn sie ist schön und sehr wirksam.
Die Heilwirkung der pflanzlichen Inhaltsstoffe (Hauptwirkstoffe sind Bitterstoffglykoside) ist überzeugend und in der Volksheilkunde lange bekannt und bewährt. Der bittere Geschmack der Droge deutet es schon an:
Tausendgüldenkraut hilft bei Magenbeschwerden, denn es regt die Bildung von Speichel– und Magensaft an. Das ist auch die heute offiziell zugelassene Angabe zur Anwendung. Dabei muss unterschieden werden, ob es sich um einen saftlosen, müden Magen handelt oder um einen übersäuerten. Im zweiten Fall ist eher Vorsicht geboten.
Die Volksmedizin überliefert aber noch weitere Anwendungsmöglichkeiten: Zum Beispiel wird ein Tee aus
Tausendgüldenkraut auch bei Blutarmut und Bleichsucht, zur Blutreinigung, bei Hautausschlägen oder bei Leberleiden und Fettsucht empfohlen. Besonders interessant ist die Anwendung bei psychogen bedingter Essunlust, wie sie häufig bei jungen Mädchen auftritt. Ein Tee aus
Tausendgüldenkraut eignet sich aber auch bei nervöser Erschöpfung für gestresste Mütter. Beruhigend kann der Tee auch auf die Galle wirken und bei Gallensteinen den gefürchteten Koliken vorbeugen. In der Volksheilkunde wird das
Tausendgüldenkraut auch als
Fieberkraut bezeichnet und so wundert es nicht, dass die Heilpflanze heute wieder als Mittel gegen Migräne zu neuen Ehren gekommen ist.
Gesammelt werden darf das
Tausendgüldenkraut bei uns nicht, auch wenn es auf feuchten Wiesen und lichten Waldungen vorkommt und an den purpur oder rosaroten Trugdolden gut zu erkennen ist. Ihre Blüten öffnet die einjährige Pflanze nur bei strahlendem Sonnenschein. Sie ist standorttreu und kommt vor allem in den Mittelmeerländern, aber auch noch bis hinauf zu den Britischen Inseln und Skandinavien vor. Kultiviert wird sie nur in den USA. Um die arzneilich wirksamen oberirdischen Pflanzenteile in Deutschland verarbeiten zu können, wird das luftgetrocknete Kraut aus Ländern wie Marokko, Bulgarien, Serbien oder Kroatien importiert.
Zur Anwendung wird ein Tee oder ein Wein zubereitet. Bei der Tee–Zubereitung ist ein Kaltauszug wirksamer. Dazu wird ein gehäufter Teelöffel Kraut mit ¼ Liter kaltem Wasser übergossen. Bei gelegentlichem Umrühren sechs bis zehn Stunden stehen lassen, dann durch ein Sieb geben und auf Trinktemperatur erwärmen. Jeweils vor den Mahlzeiten trinken. Für einen Arzneiwein werden je 30 Gramm
Tausendgüldenkraut und
Pfefferminze (
Arzneipflanze des Jahres 2004) gemischt, dazu eine ganze unbehandelte Zitrone (in kleine Stücke geschnitten) und ein Liter Moselwein. Die Mischung zehn Tage stehen lassen, dann durch ein Sieb geben und jeweils vor den Mahlzeiten ein kleines Gläschen trinken. Ein Zuviel bei der Dosierung ist kaum möglich, denn das verhindert schon der bittere Geschmack. Getreu dem Motto: Eine Arznei muss bitter schmecken, sonst nützt sie nichts. Also, wenn es danach geht, ist auf das
Tausendgüldenkraut – eine reine Bitterstoffdroge – Verlass.
Text und Bild: NHV / ks
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