Der Zitronenfalter Gonepteryx rhamni (Linnaeus, 1758) ...... ist Insekt des Jahres 2002Das Insekt des Jahres 2002 – ein SchmetterlingOft sind es zunächst ganz unbedeutend scheinende Erlebnisse, die bleibende Eindrücke hinterlassen. Für viele Menschen verbinden sich schöne Erinnerungen aus Kindertagen mit Naturerleben; mit bunten Schmetterlingen, die um Blüten tanzen. Darunter ist wohl auch immer der einprägsame, leuchtend gelbe
Zitronenfalter – das Sinnbild eines Schmetterlings; zugleich Frühlingskünder und Sommervogel. Er gehört zu den Sympathieträgern unter den Insekten und ist eine der wenigen einheimischen Arten mit größerem Bekanntheitsgrad. Einer seiner vielen Vorzüge liegt darin, dass auch Kinder von heute die Chance haben, diesen Schmetterling in der Natur zu erleben. Wohl ist er nicht mehr so zahlreich, wie vor wenigen Jahrzehnten. Aber es gibt ihn noch allenthalben dort, wo wir etwas Natur am Waldrand übriggelassen haben. Damit geht es ihm besser als manch anderer der 3600 Schmetterlingsarten in Deutschland, die oft höhere Ansprüche stellen und inzwischen auf wenige Naturräume zurückgedrängt wurden oder gar nicht mehr hier leben können.
Das deutsche Wort Schmetterling kommt übrigens von Sahne, Rahm (niederdt. Schmant, österr. Schmetten) und geht, ebenso wie das englische Butterfly, auf die vollkommen unbegründete Sage zurück, diese Insekten würden Milch, Schmant oder Butter saugen. Viel besser passt dagegen der wissenschaftliche Name
Lepidoptera (Schuppenflügler). Der bunte Staub, der nach Berührung der zarten Flügel an unseren Fingern klebt, besteht aus winzigen abgeriebenen Schuppen, den Trägern der Farbe.
Zitronenfalter – Weibchen / Foto: W. Schön
Der
Zitronenfalter ist bereits das vierte
Insekt des Jahres. Der Titel wird von einem Kuratorium vergeben, dass es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Öffentlichkeit über bestimmte Arten zu informieren und auf diesem Wege insektenkundliche Themen und Naturschutzprobleme bekannt zu machen. Er soll Anregung sein, auch die anderen, meist kleinen und oft unscheinbaren Insekten in unserer Nähe wahrzunehmen und sich ihrer vielfältigen und oft unverzichtbaren Funktionen in unserer Umwelt bewusst zu werden.
Der Zitronenfalter faltet keine ZitronenDie auffällige gelbe Farbe des männlichen Tieres hat der Art den ersten Teil ihres deutschen Namens eingebracht. Der zweite Wortteil Falter bezeichnet solche Schmetterlinge, die in Ruhe ihre Flügel über dem Rücken zusammenfalten. Sein wissenschaftlicher Name
Gonepteryx rhamni (Linnaeus, 1758) bezieht sich dagegen auf die spitz ausgezogenen Flügel (
Gonepteryx = Eckflügler) und weist zudem auf die Nahrungspflanze der Raupe hin (
Rhamnus = Kreuzdorngewächse). Die
Zitronenfalter–Weibchen sehen bemerkenswert anders aus als die Männchen und zeigen dadurch ein Beispiel für Geschlechtsdimorphismus. Sie haben zartgrün–weißliche Flügel und werden von ungeübten Beobachtern manchmal mit Kohlweißlingen verwechselt. Bei beiden Geschlechtern wird die gleichmäßige Farbe von Vorder– und Hinterflügel nur durch einen orangeroten Punkt in der Mitte unterbrochen.
Er widersteht im Winter Frost und Schnee ...Wussten Sie eigentlich schon, dass der
Zitronenfalter der einheimische Tagschmetterling mit dem längsten Leben ist? Ungefähr 9 Monate verbringt er als erwachsener Falter. Theoretisch kann man ihn an jedem Tag im Jahresverlauf beobachten. Andere einheimische Tagfalter beenden ihr Dasein meist schon nach 2 – 4 Wochen. Allerdings ist der
Zitronenfalter nicht das ganze Jahr über aktiv. Wenn im Herbst die letzen schönen Tage zu Ende gehen, sucht er sich ein etwas geschütztes Fleckchen. Unter Zwergsträuchern, die manchmal von Laub überdeckt werden, in Grashorsten, in Efeu– oder Brombeerhecken und ähnlichen Verstecken verbringt er den Winter frei sitzend und oft steif gefroren. Manchmal wird er schon an milden Februar–Tagen aus seinem Quartier aufgescheucht und gilt dann als vorzeitiger Frühlingsbote.
... um im Frühling rotviolette Blüten zu besuchen ...Seine eigentliche Zeit kommt aber meist erst im April, wenn es an sonnigen Tagen schon angenehm warm ist und bereits Blüten zu finden sind. Als erste Nektarspender spielen Seidelbast, Lerchensporn, Lungenkraut und andere rotviolette Frühblüher eine wichtige Rolle. In kühlen Stunden kann man die Falter beim Sonnenbad beobachten. Dazu breiten sie ihre Flügel nicht aus, wie es andere Arten tun, sondern richten eine Flügelunterseite genau senkrecht zu den einfallenden Sonnenstrahlen aus.
... und blassen Schmetterlings–Damen nachzujagenBei schönem Frühlingswetter sind die
Zitronenfalter auf Brautschau und patrouillieren am Waldrand entlang. Sobald eines der blass weißlichgrün gefärbten Weibchen entdeckt ist, wirbelt ihm das gelbe Männchen in wilder Jagd hinterher. Nach Hakenschlagen und Versteckspiel setzt sich das Weibchen mit gebreiteten Flügeln, und der Hochzeitsflug ist an seinem Ziel. Die Paarung dauert nur kurze Zeit. Sie findet immer im Frühjahr statt; niemals im Sommer oder Herbst. Bei der Partnerfindung scheinen Pheromone, die vom Weibchen abgesondert und von den patrouillierenden Männchen empfangen werden, eine wichtige Rolle zu spielen. Lebensräume des
Zitronenfalters sind Wälder und Gebüsche, Moore, Auen und selbst Parklandschaften. Besonders die Männchen unternehmen auch Dispersionsflüge, wandern dabei mitunter bis in die Städte.
Ganz anders seine Raupe, die Blätter vom Faulbaum magDie Entwicklung der Raupen vollzieht sich in den Saumgesellschaften der Wälder. Hier legt das Weibchen seine Eier mit Beginn des Blattaustriebes im April meist einzeln an Faulbaum (
Frangula alnus) oder Kreuzdorn (
Rhamnus catharticus). Die Eiablage kann, regional unterschiedlich, bis Anfang Juli dauern. Die mattgrünen Raupen, mit ihren weißen Seitenstreifen und grünen Stigmen, schlüpfen nach etwa 6 Tagen aus den Eiern und sind von Mai bis Ende Juli anzutreffen. Die Puppenruhe beträgt durchschnittlich 2 Wochen. Von den zeitig abgelegten Eiern können bereits ab Ende Juni die Falter der neuen Generation ausschlüpfen. Im Spätsommer sind sie mitunter häufig auf dem Blutweiderich, der Sumpf– oder Ackerkratzdistel und anderen rotvioletten Blüten zu finden. Glücklicherweise ist der
Zitronenfalter in Deutschland gegenwärtig noch nicht akut gefährdet. Dennoch sollte das nicht zur Sorglosigkeit Anlass geben, zumal seine Häufigkeit abgenommen hat. Nur die Erhaltung der Lebensräume garantiert auch weiterhin sein Auftreten. Das bedeutet aber den Schutz bzw. die Wiederherstellung von strukturierten Waldsäumen und das Belassen der Faulbaum– und Kreuzdornbestände, die von einigen Verantwortlichen noch immer als unnützes Forstunkraut angesehen und beseitigt werden. In engem Zusammenhang mit artenreichen Saumstrukturen steht der Erhalt und die Erweiterung des Angebotes von nektarspendenden Blüten – ein wichtiger Faktor zum Überleben und zur erfolgreichen Fortpflanzung der Tagfalter und vieler anderer Insekten.
Text und Foto: Kuratorium Insekt des Jahres
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