Die Alpenregion ...... ist Landschaft des Jahres 1995/1996Landschaft des Jahres 1995/96 – Die AlpenProjektbegründung und ProjektbeschreibungDie
Alpen sind als Lebensraum von elf Millionen Einwohnern das am dichtesten besiedelte Berggebiet der Welt. Mit ihren vielen Funktionen für den europäischen Kontinent als Erholungsraum, als Klimastabilisator, Rückzugsraum für viele Pflanzen– und Tierarten oder als Trinkwasserspeicher sind sie auch das ökologische Rückgrat Europas. Das hat die
Naturfreunde Internationale bewogen, die
Alpenregion 1995/96 zur
Landschaft des Jahres zu erklären. Diese Auszeichnung vergibt die internationale Präsidentenkonferenz der
Naturfreunde–Landesverbände alle zwei Jahre für eine grenzüberschreitende Region von exemplarischer ökologischer Bedeutung. Als Modellgebiete wurden das Lesachtal in Österreich und das Gebiet Furka–Grimsel–Susten in der Schweiz ausgewählt.
Die
Alpen sind heute vielfach durch eine Übernutzung des besiedelten und des unbesiedelten Raumes gefährdet. Im Mittelpunkt aller Aktivitäten zur
Landschaft des Jahres stehen Konzepte für eine nachhaltige Entwicklung der ausgewählten Regionen.
Schwerpunkte und Zielsetzungen der Maßnahmen im Rahmen der Landschaft des Jahres – Alpen- die Modellregionen sollen – stellvertretend für die Alpen – europaweit in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt werden
- dabei soll das Verständnis für Probleme des Alpenraumes und seiner Bewohner sowie für Gefahren der Übernutzung europaweit gefördert werden
- ökologische Reiseangebote werden von den Naturfreunden angeboten, um die Möglichkeit zur aktiven Auseinandersetzung mit der Region zu schaffen
- in den Modellregionen werden gemeinsam mit der Bevölkerung Workshops und Veranstaltungen zu Perspektiven einer nachhaltigen Entwicklung abgehalten
- es sollen in den Regionen Projekte entwickelt und umgesetzt werden, die letztendlich auf ökologische Weise Arbeitsplätze schaffen und damit dazu beitragen, die Regionen als Wirtschaftsraum auch in der Zukunft zu sichern
Die Alpen den Alpenbewohnern – Europa für die Alpen!Die
Alpen sind das ökologische Rückgrat Europas. Deshalb proklamieren die
Naturfreunde Internationale und ihre Landesverbände die
Alpenregion zur
Landschaft des Jahres 1995/96. Das Ziel aller Maßnahmen im Rahmen der
Landschaft des Jahres ist die europaweite Unterstützung der Alpenbevölkerung. Die Menschen in den
Alpen sichern und erhalten unter schwierigsten Bedingungen die
Alpenregion als Lebens– und Wirtschaftsraum und als Natur– und Erholungsraum. Sie sind dabei aber auch vielfältigen Belastungen und Problemen ausgesetzt, die nur mit der Unterstützung Europas gelöst werden können. Die
Alpen den Alpenbewohnern, Europa für die
Alpen!
Mit diesem Text wurde am Sonntag, den 16. Juli 1995 die
Landschaft des Jahres 1995/96 –
Alpen offiziell eröffnet. Ausgezeichnet mit diesem Titel wird der gesamte Alpenbogen, zwei besonders schützenswerte und zugleich gefährdete Regionen wurden exemplarisch herausgegriffen: Das Lesachtal in Österreich und das Gebiet Furka–Grimsel–Susten in der Schweiz.
Die
Alpen sind mit einer Fläche von 450.000 Quadratkilometern und – inklusive der Ballungsräume am Alpenrand – 70 Millionen Einwohnern der wichtigste Zentralraum des Kontinents, gleichsam sein Rückgrat. Die Hochgebirgsketten der
Alpen teilen den Kontinent in unterschiedliche Naturräume. Waren die
Alpen früher nur schwer zu überwinden, so sind sie heute durchzogen von Transittrassen aller Art. Die
Alpen liefern sauberes Wasser, Energie und landwirtschaftliche Produkte für Europa. Zugleich sind sie Erholungsraum für Millionen von Menschen aus den umliegenden Regionen.
Die Alpenbewohner brauchen die Solidarität EuropasFür das Jahr 2010 sagen uns die Prognosen eine Verdoppelung des Straßengüterverkehrs durch die
Alpen und eine Abnahme des Schienenverkehrs voraus, wenn die europäischen Regierungen nicht rechtzeitig geeignete Maßnahmen ergreifen. Jede Zunahme des Verkehrs bringt nicht nur Flächenverbrauch und Lärm, sondern auch Abgase und die Gefährdung des zum Lawinenschutz notwendigen Bergwaldes mit sich. Dass sich die betroffene Bevölkerung in den
Alpenregionen gegen diese Entwicklung zur Wehr setzt, ist verständlich.
Die alpine Landwirtschaft erfüllt wichtige Funktionen für die Erhaltung der Landschaft und die ökologische Stabilität des Alpenraums. Ohne dauernde Bewirtschaftung der Hochregionen drohen Katastrophen, wie sie sich heute schon in den zunehmenden Frühjahrshochwässern deutlich abzeichnen. Gerade diese sensiblen Bereiche sind von einer massiven Abwanderung der Berglandwirte betroffen, weil die Bewirtschaftung unter den klimatisch und topografisch schwierigeren Bedingungen des Gebirges in der Konkurrenz der industriellen Landwirtschaft nicht mehr mithalten kann.
Der Tourismus kann diese Entwicklung der Entvölkerung und Nichtbewirtschaftung nicht ausgleichen, weil die touristische Erschließung der
Alpen längst selbst an ökologische und auch ökonomische Grenzen stößt. So ist allein der touristische Ziel– und Quellverkehr inzwischen für 60 % des Verkehrsaufkommens in den
Alpen verantwortlich, eine weitere sporttouristische Nutzung der Natur würde selbst ökologische Gefahren heraufbeschwören. Gerade die aktuelle Krise im Tourismus zeigt die große Abhängigkeit touristischer Monokulturen von nicht beeinflussbaren Phänomenen des Weltmarkts, wie etwa die derzeitige für den Alpenraum ungünstige Währungsentwicklung.
Mit diesen Gefahren und Problemen kann die Alpenbevölkerung nicht allein gelassen werden, zur Lösung bedarf es der Solidarität Europas.
Ökologische Partnerschaft mit den AlpenDie Probleme der
Alpen können sinnvoll nur auf gesamteuropäischer Ebene behandelt und gelöst werden. Gerade beim Transit– oder Tourismusverkehr oder der Marktordnung für landwirtschaftliche Produkte braucht der Alpenraum europäische Übereinkommen aller betroffener Staaten.
Deshalb wollen die Naturfreunde gleichzeitig mit der
Landschaft des Jahres –
Alpen in einer europaweiten Informationskampagne um das Verständnis für eine ökologisch orientierte Regionalpolitik werben und einen Forderungskatalog für Maßnahmen und Regelungen auf europäischer Ebene entwickeln. Am 15. März 1995 hat die
Naturfreunde Internationale dem Präsidenten des Europäischen Parlaments, Klaus Hänsch, das Memorandum für eine ökologische Partnerschaft Europas mit den
Alpen überreicht. Auch das österreichische Parlament wird sich bemühen, dieses Memorandum als Entschließung in das Europäische Parlament einzubringen.
Forderungen für die Landschaft des Jahres 1995/96- Verkehrsmeidung und Verlagerung auf die Schiene:
Es dürfen keine weiteren Straßentransversalen durch die Alpen errichtet werden, und es muss mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagert werden. Nachhaltig kann dies nur durch die Herstellung der Kostenwahrheit im Verkehr erreicht werden, indem der Straßenverkehr für alle Kosten und Folgekosten nach dem Verursacherprinzip aufkommt. Dies kann durch erhöhte Straßengebühren, aber auch durch die Einführung von Steuern auf fossile Brennstoffe erreicht werden. - Förderung der Qualitätsproduktion in der Berglandwirtschaft:
Durch ein integriertes Landwirtschafts–Förderungsmodell ist sicherzustellen, dass die alpine Landwirtschaft eine sinnvolle Funktion in regionalen Wirtschaftskreisläufen erhält. Die zukünftige Förderung muss an der Qualität anstelle der Quantität ausgerichtet werden, darf also nicht nur auf die landwirtschaftliche Fläche bezogen werden. Bevorzugung regionaler, naturbelassener Produkte vor den mit viel Energieaufwand eingeführten Massenwaren. - Der Tourismus muss in verstärktem Maße die Verantwortung für Lebensraum und Landschaft wahrnehmen:
Nur eine intakte Landschaft und eine zufriedenstellende Existenzsicherung der Berglandwirtschaft kann die Natur– und Kulturlandschaft als Grundlage des Tourismus auch für die Zukunft erhalten. Es muss gelingen, regionale Produkte und Marken zu schaffen, die im Tourismusbereich vermarktet werden können. Die Lösung des überbordenden Tourismusverkehrs ist nur gemeinschaftlich im Verbund Reiseveranstalter – Verkehrsunternehmen – öffentliche Stellen und Tourismusbetriebe zu erreichen, weil nur die internationale Zusammenarbeit akzeptable Angebote für den Urlaubsgast schaffen kann. Vor allem die nationalen Tourismusförderungmaßnahmen müssen vermehrt auf eine Ökologisierung des Tourismusangebots abzielen. - Verwirklichung und Umsetzung der Alpenkonvention:
Die von den Alpenstaaten ausgearbeitete Alpenkonvention und ihre Protokolle müssen konsequent das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung realisieren. Insbesondere ist darauf zu achten, dass die Bevölkerung der einzelnen Regionen von den Zielen der Alpenkonvention überzeugt und ihre Anliegen berücksichtigt werden. - Schaffung einer eigenen EU–Förderungskategorie für Berggebiete:
Die Wirtschaft im Gebirge arbeitet unter schwierigeren klimatischen und topografischen Bedingungen als die übrige europäische Wirtschaft. Eine Entsiedelung und Nichtbewirtschaftung der Bergregionen hätte auch für Europa fatale Folgen: Hochwässer, Erschwernis des Transits, Verlust als europäischer Erholungsraum und als ökologischer Ausgleichsraum. Deshalb fordern die Naturfreunde, im Rahmen der EU–Strukturförderung eine eigene Kategorie für Berggebiete zu schaffen, die die Rahmenbedingungen für eine Nachhaltige Entwicklung herstellen. Mit dieser neuen Zielgebietskategorie soll ein Modellfall für die ökologische Umgestaltung der EU–Strukturförderung geschaffen werden, mit den Schwerpunkten auf Ökologisierung der Wirtschaft, integrative übersektorale Planung, Kooperation zwischen den Sektoren und Beteiligung der Bevölkerung.
Mit den Aktionen der
Landschaft des Jahres wollen die
Naturfreunde für eine Nachhaltige Entwicklung in den
Alpenregionen eintreten, die den hier lebenden Menschen eine dauerhafte Existenzgrundlage bietet. Nachhaltiges Wirtschaften ist die beste Strategie für das Überleben des Alpenraumes.
Text und Bild: Naturfreunde internationale
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