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Foto: Naturfreunde internationale
Der Böhmerwald
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Der Böhmerwald ...
... ist Landschaft des Jahres 1999/2000

Landschaft des Jahres 1999/2000Böhmerwald

Alle zwei Jahre wählen die Präsidenten der zwanzig Landesverbände der Naturfreunde Internationale eine grenzüberschreitende und ökologisch wertvolle Region in Europa zur „Landschaft des Jahres“. Generelle Zielsetzung der Aktion ist, die Nachhaltige Entwicklung der jeweils gewählten Regionen zu befördern und zu unterstützen. Die „Landschaft des Jahres“ will die aktive Auseinandersetzung mit der Region ermöglichen, gemeinsam mit der Bevölkerung Zukunftsinitiativen für eine nachhaltige Entwicklung erarbeiten und entsprechende Projekte initiieren, die auch nach der Aktion „Landschaft des Jahres“ weiter wirken.

Die Region Böhmerwald/Šumava wurde zur Landschaft des Jahres 1999/2000 ausgewählt. Die Region um das Dreiländereck Deutschland–Österreich–Tschechische Republik stellt ein wertvolles Naturjuwel im Herzen Europas dar und hat mit vielen Projekten im Bereich des Tourismus, der Landwirtschaft und des Naturschutzes den Weg einer Nachhaltigen Entwicklung begonnen. Die Aktionen zur Landschaft des Jahres werden unter dem Motto „Eine Landschaft, die verbindet“ stehen, weil die Zusammenarbeit über Grenzen viele Chancen für die Zukunft eröffnet.

Das Projekt „Landschaft des Jahres 1999/2000Böhmerwald/Šumava“ wird von der Naturfreunde Internationale in Zusammenarbeit mit den drei Mitgliedsverbänden „Naturfreunde Bayern“ (Deutschland), „Naturfreunde Oberösterreich“ (Österreich) und „Naturfreunde Tschechien“ (Tschechische Republik) durchgeführt.

Böhmerwald – eine Landschaft mit Zukunft
Böhmerwald, Šumava, Bayerischer Wald und Oberpfälzer Wald bilden mit mehr als 500 km Länge und bis zu 1500 m hohen Bergkämmen das größte zusammenhängende Waldgebirge in Mitteleuropa. Schon für die Römer lag nördlich des Limes der undurchdringliche Nordwald, welcher die natürliche Grenze des römischen Reiches bildete. Mit der Ausbreitung des Christentums um die Jahrtausendwende wuchsen die Kulturräume immer mehr zusammen, obwohl die entlang des „Grünen Daches Europas“ verlaufende Wasserscheide zwischen Nordsee und Schwarzem Meer immer beides blieb: Grenze und Brücke zwischen Regionen. Wichtige Europäische Handelswege nutzten die sanften Übergänge des Nordkamms zwischen Eger/Cheb und Freistadt für den Transport von Salz, Gold und wertvollen Gütern. Schon im 16. Jahrhundert zählte man an den „Goldenen Steigen“ zwischen Vilshofen und Kasperské Hory (Bergreichenstein) sowie Passau und Vimperk (Winterberg) bzw. Prachatice (Prachatitz) unvorstellbare 1200 Saumtiere pro Woche. Entlang dieser Wege entwickelten sich eindrucksvolle Städte, wie etwa Passau, Kasperské Hory (Bergreichenstein), Ceský Krumlov (Krummau), Ceske Budejovice (Budweis) oder Freistadt, welche heute beeindruckende Kulturstätten bewahren. An den Wald schloss sich eine Bilderbuchlandschaft an, ein buntes Mosaik von Dörfern, Feldern und kleinen Wäldchen mit natürlich verlaufenden Bächen, Flüssen und Teichen, alles über eine sanfte Hügellandschaft gebreitet. Eine Landschaft mit vielen Weilern und Kammern, jeder Weiler mit seiner umgebenden Kulturlandschaft heimelig eingerichtet. Man fühlt an jeder Ecke den Pulsschlag der Natur.

Nur die kurze Episode des kalten Krieges unterbrach die immer enger werdenden Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg, der Eiserne Vorhang schlug eine Bresche quer durch die Region und trennte den Norden vom Süden. Das brachte sicherlich viele Nachteile für die Bewohner der Grenzregionen – aber so mancher Nachteil hat sich heute schon wieder in einen Vorteil verwandelt:

Natur pur
Es ist kein Zufall, dass sich entlang des ehemaligen Eisernen Vorhanges ein „ökologischer Baustein Europas“ an den anderen reiht. Auf seiner westlichen Seite hatten die Grenzregionen wirtschaftlich immer zu kämpfen, so dass zum Beispiel die Einrichtung des Nationalparks Bayerischer Wald im Jahr 1970 sicherlich zu einer Aufwertung der Region beigetragen hat.

Auf der östlichen Seite waren die Grenzregionen oft militärische Sperrgebiete, die sogar gewaltsam entsiedelt wurden. Im Fall des Böhmerwaldes konnten aber Militärfahrzeuge nicht verhindern, dass sich die Natur ihr Land wiedererobert hat. Heute finden wir auf der tschechischen Seite des Waldkammes Urwälder – wie zum Beispiel beim Boubín – mit bis zu 400 Jahre alten Fichten, Hochmooren und Heidewiesen mit einer unendlichen Zahl von Pflanzen– und Tierarten. Zahlreiche Bäche und Flüsse plätschern und gurgeln buchstäblich über Stock und Stein, die Flussläufe mit Felsblöcken durchsetzt. Im Böhmerwald finden wir ein einzigartiges Vorkommen der Flussperlmuschel.

Der Name „Šumava“ bedeutet soviel wie „das Rauschen der Wälder“ – und heute kann der Böhmerwald buchstäblich wieder rauschen. Kurze Zeit nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wurde das Gebiet auf der tschechischen Seite 1991 zum Nationalpark erklärt und bildet zusammen mit dem Bayerischen Wald den größten Waldnationalpark Europas. Seit der Grenzöffnung gibt es wieder Aufbruchsstimmung im Böhmerwald, und langsam kommt auch Leben in die direkt an den Nationalpark angrenzenden Ortschaften. Die Straßen sind für den Autoverkehr gänzlich gesperrt und bieten eine ideale Infrastruktur für Wanderer und Radfahrer – umgeben von Natur pur. Nationalpark–Informationszentren vermitteln Wissenswertes über den Nationalpark, bieten aber auch Exkursionen und Führungen an.

Auch viele Verbände, wie etwa die Naturschutzjugend in Haslach (A) oder der grenzüberschreitende Verband „Grünes Herz Europas“ sorgen sich um die Erhaltung von Biotopen.

Text und Bild: Naturfreunde internationale
 
 
 
1999     Landschaft     2001

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Seite aktualisiert  23.01.2006