Das Rote Waldvöglein Cephalanthera rubra ((Linnaeus) Richard, 1817) ...... ist Orchidee des Jahres 2000
Das
Rote Waldvögelein (
Cephalanthera rubra (L.) L. C. M. RICHARD) ist von den
Arbeitskreisen Heimische Orchideen (AHO) in Deutschland am 24. Oktober 1999 in Eisenach zur
Orchidee des Jahres 2000 proklamiert worden.
Durch diese Wahl und Proklamation wird alljährlich eine der in Deutschland heimischen Orchideen–Arten vorgestellt, mit dem Ziel eine breite Öffentlichkeit auf diese Pflanzenfamilie aufmerksam zu machen. Desweiteren soll eine Sensibilisierung für den Schutz und die Erhaltung gefährdeter Lebensräume, in denen u. a. die einheimischen Orchideen wachsen und gedeihen, erreicht werden. Die
Orchidee des Jahres 2000,
Cephalanthera rubra, steht für heimische, naturnahe Waldgesellschaften.
Das
Rote Waldvögelein ist wohl mit dem
Frauenschuh (
Orchidee des Jahres 1996) (
Cypripedium calceolus, die attraktivste unserer in Deutschland vorkommenden Wald–Orchideen.
In manchen Gegenden wird sie
Rote Waldlilie genannt oder auch
Roter Kopfbeutel – eine Bezeichnung, die sich aus dem botanischen Namen erklärt: Dieser besteht aus dem Artnamen
Cephalanthera, der sich aus den griechischen Wörtern
kephale (Kopf) und
anthera (Staubbeutel) zusammensetzt. Der Artname
rubra ist dem Lateinischen entnommen und bedeutet: rot.
Wenn sich eine der bis zu 5 cm große Blüten voll entfaltet, erinnert sie mit ihren ausgebreiteten, seitlichen Kelchblättern und der vorgestreckten, spitzen Lippe an ein kleines, rotes Vögelchen – daher der am meisten gebrauchte deutsche Name
Waldvögelein.
Die Pflanze wird zwischen 20 cm und 60 cm groß und hat etwa 4 bis 8 schmale Laubblätter. Der locker besetzte Blütenstand nimmt etwa ein Drittel bis die Hälfte der Gesamtpflanze ein. Er trägt – je nach Größe der Pflanze – 1 bis 12 Blüten. Die Färbung dieser recht großen Blüten reicht von einem blassen Rosa bis zu einem intensiven Rot–Lila. Die beiden Blütenblätter und das mittlere Kelchblatt sind über dem Säulchen zusammen geneigt und mit den Spitzen zurückgeschlagen während die rot umrandete, weißlich–gelbe Lippe die Insekten zu einem Besuch einlädt.
Das
Rote Waldvögelein wächst in trockenen bis frischen Laub– und Mischwäldern, an Waldsäumen, Waldwege–Böschungen und auf Waldwiesen. Sie gedeiht auf stickstoffarmen bis mäßig stickstoffreichen Böden, meist über Kalk. Sie ist in Deutschland im nordöstlichen Tiefland, in den Mittelgebirgen sowie im Alpengebiet und darüber hinaus in weiten Teilen Europas beheimatet. Sie blüht zwischen Juni und August.
Die Bestände des
Roten Waldvögeleins in Deutschland zeigen im Nordostdeutschen Tiefland, in einigen Mittelgebirgsregionen und im Alpenvorland in den letzten 100 Jahren überdurchschnittliche Rückgangstendenzen. Ein entscheidender Faktor dafür ist – neben der Vernichtung – die Nutzungsänderung der Lebensräume dieser attraktiven Pflanze. Flurbereinigung und Beseitigung bzw. Dezimierung von Waldmänteln durch die angrenzenden Nutzungsmethoden schlagen sich in allen oben erwähnten Regionen nieder. Die Aufforstung zu monokulturellen Nadelholzplantagen, die intensive Forstwirtschaft (Einsatz von Großmaschinen) sowie die direkten und indirekten Folgen (Düngereintrag durch Futterverschleppung, Verbiss und Überweidung) eines unverantwortlich hohen Wildbesatzes mancher Reviere haben ihren Anteil zum Rückgang dieser Waldorchidee beigetragen.
Es sind aber auch durchaus positive Aspekte zu verzeichnen: Verantwortungsvolle Revierinhaber arbeiten mit Forstbetriebsgemeinschaften, Jagdgenossenschaften, Biol. Stationen, Behörden und Naturschutzverbänden zum Wohle eines naturnahen und artenreichen Waldes zusammen. Viele gerodete Waldflächen werden mit Mischpopulationen aufgeforstet und eine sanfte Waldwirtschaft betrieben. Wald– und Ackerränder erfahren eine Renaissance mit der Erkenntnis ihrer ökologischen Bedeutung. Wissenschaftliche Programme und politische Initiativen fördern den Schutz und die Erhaltung naturnaher Wälder und helfen bei der Regeneration bedrohter Biotope.
Durch eine weitreichende Öffentlichkeitsarbeit mit umfassenden und allgemein verständlichen Erklärungen des Lebensraumes Wald lassen sich viele Zusammenhänge verdeutlichen, warum z. B. Orchideen wie das
Rote Waldvögelein ein Anzeiger für einen gesunden, naturnahen Wald sind. Auch wenn
Cephalanthera rubra durch die Wahl zur Orchidee des Jahres besonders herausgehoben wird, bleibt als Schlussfolgerung nur eines: Schutz einzelner Arten oder gar einzelner Individuen ist praktisch nicht möglich – es ist immer ein umfassender Biotopschutz erforderlich.
Für die Arbeitskreise Heimische Orchideen (AHO) in Deutschland
Heinz BAUM (©, AHO–NRW)
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