Grüne Hohlzunge Foto: AHO
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Grüne Hohlzunge
Coeloglossum viride
((Linnaeus) Hartmann, 1820)
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Die Grüne Hohlzunge Coeloglossum viride ((Linnaeus) Hartmann, 1820) ...
... ist Orchidee des Jahres 2004
Die Grüne Hohlzunge zählt neben der Weißzunge (Pseudorchis albida) und der Holunder–Kuckucksblume (Dactylorhiza sambucina) zu den typischen Bergwiesenorchideen. Der derzeitige Verbreitungsschwerpunkt in Deutschland liegt in den Alpen. Dort ist die Pflanze auf mäßig feuchten, nährstoffarmen, oft aber kalkreichen Böden bis in eine Höhe von 2.900 m zu finden. Aber auch die Mittelgebirge (Eifel, Fichtelgebirge, Schwarzwald, Schwäbische Alb, Thüringer Wald) bieten der Hohlzunge einen Lebensraum, sofern eine extensive Wiesennutzung erfolgt, welche die Biotopstrukturen kurzrasig und lückig hält. Der mit der Aufgabe der traditionellen Nutzung einhergehende Verlust dieser Pflanzenart hat besonders hier dramatische Ausmaße angenommen. Dabei spielen auch weitere Einflussfaktoren (Nährstoffeintrag, Klimawandel etc.) eine Rolle.
Die Grüne Hohlzunge ist ein besonders sensibler Vertreter der gefährdeten Bergwiesenflora. Mit der Orchidee des Jahres 2004 soll vornehmlich auf die Problematik der Erhaltung und Pflege der Bergwiesen aufmerksam gemacht werden.
Die Verbreitungskarte zeigt jedoch, dass die Grüne Hohlzunge auch im Hügel– und Flachland ab 100 m NN vorkommen kann. Diese vereinzelten Vorkommen, meist auf Kalkmagerrasen, aber auch in lichten Wäldern, sind vom Rückgang der konkurrenzschwachen Art besonders betroffen, so dass die Hohlzunge in Niedersachsen bereits ausgestorben ist, sowie in Hessen, Nordrhein–Westfalen, Rheinland–Pfalz und dem Saarland als stark gefährdet eingestuft wird. In Baden–Württemberg, Sachsen, Sachsen–Anhalt und Thüringen ist sie vom Aussterben bedroht. Allein für Bayern gilt der Status gefährdet. In Schleswig–Holstein und Mecklenburg–Vorpommern kam Coeloglossum nie vor, dagegen wurde sie in Brandenburg an einem Fundort mit wenigen Exemplaren bekannt.
Die Grüne Hohlzunge ist auf Grund ihrer Größe und meist grünlichen Farbe recht unauffällig. Die Pflanzen besitzen handförmig geteilte Knollen. Der stumpfkantige, kahle Stängel ist hellgelbgrün. Die 3 – 7 unteren stängelumfassenden Laubblätter sind eiförmig, die oberen mehr lanzettlich. Der Blütenstand kann ebenso arm– wie reichblütig sein, bis zu 30 Blüten sind möglich. Diese stehen mit ihren gedrehten Fruchtknoten in der Achsel lanzettlicher grüner Tragblätter, sind klein, grünlichgelb bis grün und manchmal rötlich überlaufen Die 5 Perigonblätter – jeweils nur wenige Millimeter groß – neigen so zueinander, dass sie die Form eines halbkugeligen Helms annehmen. Eine dicke, dreilappige, maximal 10 mm lange Lippe hängt zungenförmig herab (Name!). Nur 2 bis 3 mm misst der sackförmige Sporn. Durch die am Lippengrund ausgebildeten Drüsen entströmt der Blüte ein schwach honigartiger Duft (Nektarblume!), der die Bestäuber (Käfer, Bienen, Wespen) anlockt. Die Pflanzen bleiben meist klein, können jedoch auch Wuchshöhen bis 30 cm erreichen. An zusagenden Wuchsorten treten sie einzeln oder in kleinen Gruppen auf. Die Blütezeit erstreckt sich in Abhängigkeit von Höhenlage, Standort und geländeklimatischen Einflüssen von Anfang/Mitte Mai bis Ende Juni oder Anfang Juli. An Waldstandorten über Muschelkalk (etwa 400 m NN) können noch Ende Juli blühende Pflanzen aufgefunden werden. Meist ist der Fruchtansatz hoch.
Die Gattung Hohlzunge (Coeloglossum) – nahe verwandt mit den Kuckucksblumen (Dactylorhiza) – kommt zirkumpolar im eurosibirischen und nordamerikanischen Raum vor. In Europa ist sie nur mit einer Art vertreten.
Das Areal erstreckt sich dabei über weite Teile Nord–, Mittel– und Südeuropas, die Alpen– und Karpatenländer werden besiedelt, auch Türkei, Krim und Kaukasus werden erreicht.
Will man diese interessante Orchideenart in Deutschland erhalten, sind in erster Linie ihre Lebensräume zu sichern. Dazu bedarf es der Wiesenpflege durch regelmäßige Mahd und/oder extensive Beweidung. Auf Intensivweide und Düngung reagiert die Hohlzunge negativ. Nach längerer Brache sollte vorsichtig entbuscht und ausgeharkt werden. Einer weiteren Versauerung des Bodens ist durch entsprechende Minalienzufuhr (Thomasmehl, Holzasche) vorzubeugen. Es versteht sich von selbst, dass Aufforstung oder Überbauung die für die Hohlzunge geeigneten Biotope zerstören.
Für die Arbeitskreise Heimische Orchideen (AHO) in Deutschland
Wolfgang HEINRICH u. Volker KÖGLER, AHO Thüringen
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