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Zunderschwamm
Foto: DGfM
Zunderschwamm
Formes fomentarius
  ((L:Fr.) Fr.,)

Der Zunderschwamm   Formes fomentarius ((L:Fr.) Fr., ) ...
... ist Pilz des Jahres 1995

Er steht auf keiner „Roten Liste“, ist weder ausgestorben noch vom Aussterben bedroht und auch nicht ernsthaft gefährdet. Trotzdem hat ihn die Deutsche Gesellschaft für Mykologie zum Pilz des Jahres erkoren.

Die mehrjährigen korkig–zähen Fruchtkörper wachsen breit hutförmig, umgekehrt konsolenförmig an totem Holz, werden bis zu 30 cm breit und bis zu 20 cm dick. Die braune bis graue Oberseite ist wellig–rillig gezont und hat eine harte Kruste. Die hell bis dunkelbraune Unterseite besteht aus einer glatten, feinen Porenschicht, unter der in dünnen Röhren die Sporen heranreifen.
Anhand dieser gut bekannten Art soll auf das Pilzsterben als Folge des Waldsterbens aufmerksam gemacht werden. Man hätte genausogut den Pfifferling wählen können, der zwar noch überall wächst, aber nirgendwo mehr so zahlreich zu finden ist, wie ältere Zeitgenossen ihn aus ihrer Jugend noch kennen.

Der Zunderschwamm ist im Gegensatz zum Pfifferling kein Speisepilz, doch in der Vergangenheit hatte er eine wirtschaftlich dem Pfifferling mindestens gleichkommende Bedeutung. Die Nutzung seiner Fruchtkörper verschaffte den Menschen in vielfacher Weise Arbeit und Brot.

Sein Name „Zunderschwamm“ weist auf die Bedeutung hin, die diesem Pilz in vergangenen Zeiten zukam: Bestimmte Teile seines Fruchtkörpers dienten zur Herstellung von Zunder, einem Produkt zur Feuerentfachung, das seit der Erfindung der Zündhölzer 1848 seinen Zweck eingebüßt hat. Die Tatsache, dass bei der unter dem Namen „Ötzi“ bekanntgewordenen Gletscherleiche ein Stück dieses Pilzes gefunden wurde, zeigt, wie lange sein Nutzen dem Menschen schon bekannt war.

Darüber hinaus war der Zunder auch Rohstoff für viele andere Produkte des täglichen Lebens: Kleidungsstücke (Mützen, Hüte, Westen, Handschuhe, Hosen), Taschen, Bucheinbände, Bilderrahmen und Fensterleder wurden daraus hergestellt. Sogar als Korkersatz oder als Radiermaterial bei Kohlezeichnungen fand der Zunderschwamm Verwendung.
Aber nicht nur die Erfindung von Zündhölzern, Kunststoffen und sonstigen Produkten haben das Gewerbe des Schwammschnitts und den Beruf des Zundelmachers aussterben lassen. Diese Tätigkeiten würden in der heutigen Zeit „ihren Mann nicht mehr ernähren“ – der Zunderschwamm ist dafür zu selten geworden. Und das, obwohl jegliche Nutzung schon seit Jahrzehnten unterbleibt.

Der bis zum 19. Jahrhundert häufige und heute noch auffällige Großpilz ist in den modernen, ertragsorientierten Forsten mit intensiver Holzwirtschaft nur noch vereinzelt zu finden. Sein ureigenster Lebensraum ist der Buchenwald, der vom BUND zum „Biotop des Jahres 1995“ gekürt worden ist, und der bekanntermaßen durch verstärkte Abholzung, Schadstoffe aus der Luft, Anbau standortfremder (Nadel–) Baumarten, Kahlschlag und Grundwasserabsenkungen extrem gefährdet ist.

In den Heidegebieten Norddeutschlands dagegen ist die Birke der häufigste Wirt, aber auch andere Laubholzarten (Ahorn, Erle, Hainbuche, Hasel, Esche, Pappel, Eiche) können Nahrung für den Zunderschwamm sein.
Er lebt als Schwäche– und Wundparasit an älteren, aber auch an jungen, unterdrückten oder beschädigten Stämmen, die er schließlich abtötet. Wer jedoch in den Kategorien des Profites oder auch falsch verstandenen Naturschutzes denkt und von einem „Schädling“ spricht, geht fehl: Die Parasiten haben in der Natur eine wichtige Aufgabe. Sie merzen alle Individuen aus, die der Arterhaltung schaden. Sie zerstören die Schwachen und die Kränkelnden, also alle Einzelwesen mit Schwachpunkten im Erbgut, indem sie deren Fortpflanzung verhindern, und somit werden nur die guten Eigenschaften gesunder Bäume, vor allem die Widerstandskraft einer Art gegen Parasiten (Pilze, Tiere) und sonstige schlechte Lebensbedingungen, bewahrt und gefördert. Diesen Vorgang bezeichnet man als natürliche Selektion. Einem gesunden Baum kann kein Parasit schaden.

Der Zunderschwamm „frisst“ in den von ihm befallenen Stämmen die Zellulose, Kohlehydrate und auch das Lignin. Was zurückbleibt, ist ein sehr helles und weich gewordenes, meist feuchtes Holz, ein Zustand, den man als „Weißfäule“ bezeichnet. Dieses dient dann einer Vielzahl von Tieren als Nahrungsgrundlage und Lebensraum.

Damit der Zunderschwamm in der Zukunft nicht auch auf Roten Listen als bedroht oder gefährdet erscheint, hat der Schutz des Bestandes und die Wiederanlage bodenständiger, naturnaher Laubwälder künftig absolute Priorität zu genießen. Als naturwissenschaftliche Gesellschaft, die sich mit der Erfassung und Auswertung ökologischer Daten über die Großpilze Mitteleuropas befasst, fordert die Deutsche Gesellschaft für Mykologie geeignete Sofort– und Langzeitmaßnahmen, um die Staats–, Gemeinde– und Privatforsten in naturnahe Waldungen zurückzubauen. Die Holzproduktion hat zugunsten der unbezahlbaren Wohlfahrtswirkung des Waldes für den Menschen und alle anderen Lebewesen zurückzustehen. Aus diesen Gründen wird folgender Forderungskatalog erneut veröffentlicht:
Text und Bild: Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM)
 
 
 
1994     Pilz     1996

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Seite aktualisiert  19.91.2007