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Satans–Röhrling
Foto: DGfM
Satans–Röhrling
Boletus satanus
  (Lenz,)

Der Satans–Röhrling   Boletus satanus (Lenz, ) ...
... ist Pilz des Jahres 1999

„Es war eine bange, grausenvolle Nacht.“ So resumiert Dr. Harald Othmar Lenz die Schilderung einer Vergiftung mit einem bis 1830 noch unbekannten Pilz. Er gibt ihm in seinem 1831 erschienenen Buch „Die nützlichen und schädlichen Schwämme, nebst einem Anhange über die isländische Flechte“ den Namen Satanspilz. Die Rache des Wissenschaftlers, die Erinnerung an einen Totenschädel, die der kahle weiße Hut erweckt, oder der Aasgeruch, den alte Fruchtkörper verströmen – aus dem Buch von Lenz geht nicht hervor, was ihn zu dieser Namensgebung bewogen hatte.

Wir wissen heute, dass der Satans–Röhrling – übrigens ein enger Verwandter des Steinpilzes – so giftig gar nicht ist. Er verursacht gastrointestinale Störungen, die sich in Unwohlsein, Erbrechen und Durchfall äußern, eine sehr unangenehme, aber nicht lebensgefährliche Intoxikation.

Die Fundorte liegen auf kalkhaltigen Böden, vorwiegend in Buchenwäldern, aber auch in Eichen–Hainbuchenwäldern. Obwohl der Satanspilz nicht gesammelt wird, ist er in der Roten Liste der gefährdeten Großpilze von Deutschland als „stark gefährdet“ geführt, in einzelnen Bundesländern sogar als „vom Aussterben bedroht“. Seine Seltenheit ist sicher zurückzuführen auf seine Bindung an wärmebegünstigte Laubwälder auf Kalkböden, zum Beispiel Orchideenbuchenwälder, die leider allzuoft in den vergangenen Jahrzehnten nach Kahlhieb durch artenarme Nadelholzforste ersetzt wurden.

Verwechselt wird der Satanspilz oft mit den essbaren Hexenröhrlingen, die eine braune Hutoberfläche haben, oder mit dem ungenießbaren Schönfußröhrling, der – nicht wie die vorgenannten – eine rote, sondern eine gelbe Fruchtschicht hat. Unsere Pilzsachverständigen stellten bei „Satanspilz–Meldungen“ oft genug Schönfuß– oder Hexenröhrlinge fest.

Beschreibung:
Großer, bis zu 25 cm messender weiß–grauer Hut, Fruchtschicht rot, dickbauchiger farbenprächtiger gelb–roter Stiel mit roter Netzzeichnung. Fleisch schwach blauend.

Der Satanspilz wurde von der DGfM als Pilz des Jahres 1999 ausgewählt, um auch auf die Gefährdung von Arten hinzuweisen, die nicht geschützt sind und nicht gesammelt werden. Der Rückgang von Pilzarten ist nicht auf das Sammeln zurückzuführen, sondern auf Veränderungen der Lebensräume.

Text und Bild: Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM)
 
 
 
1998     Pilz     2000

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Seite aktualisiert  19.91.2007