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Mäandertrüffel
Foto: DGfM
Mäandertrüffel
Choiromyces meandriformis
  (Vittadini,)

Die Mäandertrüffel   Choiromyces meandriformis (Vittadini, ) ...
... ist Pilz des Jahres 2001

„Theophrastus hatte die Trüffel als Werk von Blitz und Regen betrachtet, und Porphyrus als das der Götter selbst. Sie flößte allen, die sich mit ihr beschäftigten, Demut, Respekt und Bewunderung ein.“

So beschreibt der amerikanische Schriftsteller Gustaf Sobin in seinem Roman „Der Trüffelsucher“ die geheimnisvolle Aura eines Pilzes, der seit alters her die Menschen fasziniert – sei es als truffle (engl.), la truffe (franz.) oder tartufo (ital.). Der Wohlgeschmack der Trüffeln, ihr unterirdisches Wachstum, die hohe Kunst der Trüffelsuche mit Hilfe von Hunden, Schweinen oder sogar Fliegen sowie die enormen Preise, die für die berühmtesten unter ihnen gezahlt werden, garantieren den Trüffelmärkten im französischen Périgord und im italienischen Piemont bis auf den heutigen Tag große Aufmerksamkeit.

Aber auch in Deutschland wachsen Trüffeln. Eine der bekanntesten ist die Mäandertrüffel (Choiromyces meandriformis). Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie hat sie zum Pilz des Jahres 2001 gewählt.

Echte Trüffeln (Tuber) und die Mäandertrüffel sind sogenannte Mykorrhizapilze, also echte Symbionten, die mit Höheren Pflanzen – meist Bäumen – eine Lebensgemeinschaft eingehen. Die begehrte Knolle ist nur der Fruchtkörper. Sie entsteht aus einem feinen Fadengeflecht, das die Wurzeln des Baums umspinnt und ihm lebensnotwendige Kohlenhydrate entzieht. Im Gegenzug erhält der Baum Wasser und Nährelemente. Wo kein geeigneter Baum wächst, wachsen auch keine Trüffeln. Und da der Pilz lebender Baumwurzeln bedarf, kann er auch nicht so gezüchtet werden wie dies für Champignon oder Austernseitling möglich ist. Man kann allerdings Wurzeln mit Trüffelmyzel „beimpfen“ und die so präparierten jungen Bäume mit einiger Aussicht auf Erfolg im Freiland aussetzen.

Trüffeln wachsen im Verborgenen, unterirdisch, und wer ihre Lebensgewohnheiten nicht kennt, findet sie im Wald allenfalls zufällig, wenn sie vom Wild aus dem Boden gewühlt oder durch Erdrutschungen an Bach– und Wegböschungen frei gelegt werden. Ihre Sporen – die mikroskopisch kleinen Fortpflanzungszellen der Pilze – werden von den Tieren verbreitet, die die Fruchtkörper verzehren und die im Darm unversehrten Sporen im Kot wieder absetzen. Treffen die Sporen am neuen Standort auf günstige Bedingungen, keimen sie und besiedeln neue Wurzeln. Echte Trüffeln aus der Gattung Tuber enthalten einen Duftstoff, der mit dem Sexuallockstoff männlicher Schweine identisch ist, also mit dem Parfüm der brünftigen Eber. Erschnuppern Schweine diesen Duft, fangen sie an zu graben und fressen den Pilz. Andere Tiere und den Menschen verlocken lediglich der aromatische Duft und der unvergleichliche Geschmack – die angeblich aphrodisierende Wirkung der Trüffel auf menschliche Genießer kann getrost der Rubrik „Mythos und Aberglaube“ zugeschrieben werden.

Trüffeln sind anspruchsvoll. Der passende Baumpartner allein genügt ihnen bei weitem nicht; auch die Boden– und Klimaverhältnisse müssen stimmen. Manche Arten, darunter die teuersten und begehrtesten, kommen in Europa nur im Mittelmeerraum vor. Die Mäandertrüffel ist in Deutschland von den Mittelgebirgen bis zum Voralpenland verbreitet, fehlt jedoch weitgehend völlig im Flachland des Nordens. Man findet sie in wärmebegünstigten Laubwäldern, gern bei Buchen, nicht selten aber auch in Tannen– und Fichtenwäldern auf kalkigen und lehmigen Böden. Im Gegensatz zu den Echten Trüffeln bilden sich ihre Fruchtkörper oft dicht unter der Oberfläche und ragen bei der Reife mit dem Scheitel aus der Streu. In ihrer kulinarischen Bedeutung steht die Mäandertrüffel den Echten Trüffeln etwas nach, doch gibt es immer wieder Berichte, nach denen auch sie vorzüglich schmecken soll.

Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie hat die Mäandertrüffel auch deshalb zum Pilz des Jahres gewählt, weil sie an ihrem Beispiel auf die Vielzahl der unterirdisch wachsenden Pilze aufmerksam machen möchte, die sich keineswegs auf die genannten Arten beschränken. Ob es sich nun um Hirschtrüffeln (Elaphomyces), Wurzeltrüffeln (Rhizopogon), Karottentrüffeln (Stephanospora) oder viele andere Gattungen und Arten aus den verschiedensten verwandtschaftlichen Gruppen handelt – sie alle erfüllen wichtige, ja unersetzliche Funktionen im Naturhaushalt des Waldes, fördern die Gesundheit unserer Waldbäume und bereichern das Nahrungsangebot für die Tiere. Dies sollte man stets im Auge behalten – auch und gerade, weil Kommerz und „Trüffeljägerlatein“ den „Blick aufs Wesentliche“ manchmal verstellen.

Beschreibung der Mäandertrüffel:
Fruchtkörperknolle rundlich bis unregelmäßig geformt, fünf bis 15 cm im Durchmesser, außen glatt; zunächst weiß, dann schmutzig gelbbraun, an Kartoffelknollen oder alte Tennisbälle erinnernd. Im Inneren fest und marmoriert mit feinen mäanderförmigen Windungen (Name!). Geruch und Geschmack nur bei alten Fruchtkörpern kräftig–aromatisch. Die Mäandertrüffel sollte trotz ihrer Essbarkeit als Seltenheit geschont werden. Alle Echten Trüffeln (Tuber) sind geschützt.

Text und Bild: Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM)
 
 
 
2000     Pilz     2002

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Seite aktualisiert  19.91.2007