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Fetthenne
Foto: BdS
Fetthenne
Sedum spec.
  (Linnaeus, 1753)

Die Fetthenne   Sedum spec. (Linnaeus, 1753) ...
... ist Staude des Jahres 2011

Die Pflanzen sind standfest und robust. Das mögen auch Gartenliebhaber. Staudengärtner haben diese vielfältige Gattung zur Staude des Jahres 2011 gekürt. In ihrem Sortiment bieten sie Arten und Sorten für Dachbegrünungen, Töpfe und Mauern wie für Beetbepflanzungen. Diese blühen gelb, rosa, weiß und rot. Auch auf mageren Böden strahlen die sehr unterschiedlichen Arten der Gattung von Frühjahr bis in den Herbst. Eine interessante Gruppe!

Amerika hat seine Kakteen, Afrika seine Euphorbien und wir? Wir haben Sedum! Je nach Art auch Fetthenne und Mauerpfeffer genannt. Zwar besitzen sie keine Stacheln oder Dornen, aber skurril sind sie auch. Dickfleischig wie ihre exotischen Kollegen speichern sie Wasser für Dürrezeiten in Blättern und Trieben. So sind sie hervorragend angepasst an trockene und karge Standorte, besiedeln Ritzen und Fugen, machen sich auf Kiesbeeten und Dächern breit. Als Lebenskünstler kommen sie mit wenig aus und stecken trotzdem voller Gesundheit und Lebenskraft.

Bereits unsere Vorfahren faszinierte die Vitalität dieser Gewächse. Sie versuchten deren Unverwüstlichkeit auf das eigene Hab und Gut zu lenken und setzten Sedum zur Abwehr von Blitzen und Unheil auf Dächer und Mauerkronen. Dort waren sie auch gleich zur Hand, wenn es Schmerzen von Brand- und Quetschwunden zu stillen galt. Nur den Scharfen Mauerpfeffer (Sedum acre) durfte man nicht versehentlich pflücken. Denn der ist – wie der Name sagt – scharf, beißend und hätte die Wunde verätzt. Die Felsen-Fetthenne (Sedum reflexum, syn. Sedum rupestre) zog als erste vom Dach in den Garten um. Ab dem 17. Jahrhundert hat sie im Gewürzgarten ihr Domizil, denn ihre Blättchen und Triebe sind essbar. Ihr säuerlicher Geschmack passt gut in Salate, Suppen, Fleisch- und Fischgerichte. Zur neuen Bedeutung gab es auch einen neuen Namen „Tripmadam“.Woher er sich ableitet? Vielleicht von „Tripes de Madame“ = Kutteln nach Hausfrauenart?

Die anderen Sedum-Arten brauchten etwas länger. Aber vom 18. Jahrhundert an säumte Weißer Mauerpfeffer (Sedum album) die Beete und die Hohen Fetthennen (Sedum telephium) setzten sich als stattliche Blütenbüsche in Szene. Die Zahl der Sorten wuchs, ergänzt um neu entdeckte Sedum aus Japan und China, Kamtschatka und dem Kaukasus. Heute sind die hohen Arten als majestätische Ruhepole begehrt und in Mode. Die niedrigen Sedum mit ihren vielen Nuancen von Grün, Blaugrün, Silbergrün, Gelb und Rot dienen als Steingartenbewohner, Einfassungspflanzen, Dachbegrüner und vor allem als Bodendecker.

Der Scharfe Mauerpfeffer (Sedum acre) ist ein vitaler Bodendecker. Reizend wirkt er, wenn sein 5 cm hoher Rasen mit gelben Blüten übersät ist. Das verleitet dazu, ihn zu unterschätzen. Seine mit dreieckig-eiförmigen Blättchen besetzten Triebe sind äußerst durchsetzungsfähig. Im Steingarten kann das lästig sein. Im Kies wenig begangener Wege oder auf der Garagenauffahrt macht seine frische Farbe Freude. Wer es gern sonniger hätte: ‘Yellow Queen’ treibt leuchtend gelb aus und trägt im Sommer hellgrün. Sanftmütiger als Sedum acre gibt sich das Goldmoos-Sedum (Sedum sexangulare), das dichte Matten bildet. Im Juli wandeln die Blüten sein Grün zu Goldgelb. Die Sorte ‘Weiße Tatra’ wächst besonders kompakt.

Der Weiße Mauerpfeffer (Sedum album) bildet lockere Teppiche, die sich sehr gut als Fußvolk für Junkerlilie (Asphodeline), Bartiris und Lilienschweif (Eremurus) eignen. Die grünen walzenförmigen Blättchen schimmern bei ‘Murale’ in Braunrot. ‘Coral Carpet’ wandelt sich im Winter zu Korallenrot und ‘Micranthum Chloroticum’ liefert das Gleiche in Gelbgrün. Auch die altbewährte Tripmadam kommt nicht nur im graugrünen Kleid daher. ‘Chocolate Ball’ gefällt durch schokoladenbraune Nadelblättchen, ‘Blue Cushion’ durch blaugraue und ‘Angelina’ durch goldgelbe, die sich im Winter orange färben.

Text und Bild: Bund Deutscher Staudengärtner
 
 
 
2010     Staude     2012

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Seite aktualisiert  15.22.2010