Gacksapfel Foto: Pomologen–Verein e.V. / Landesgruppe Hessen
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Gacksapfel
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Der Gacksapfel ...
... ist Hessische Streuobstsorte des Jahres 2006
Die „Hessische Lokalsorte des Jahres“ stammt aus Aßlar, genauer aus Berghausen an der Dill. Dort wurde der Zufallssämling um 1870 von dem Landwirt und Holzhauer Friedrich Ernst Gack (* 1843-† 1921) im Wald von Berghausen, an der „Hohen Straße“ gefunden. Die Geschichte von dem legendären Apfel wurde von dem Historiker Dr. Kurt Hinze († 1987) aufgeschrieben und 1979 in der Heimatbeilage „Heimat an Lahn und Dill“ veröffentlicht. In der noch heute lebendigen Geschichte heißt es, das Gack das Bäumchen mit seinen bloßen Händen ausgrub und einige hundert Meter vor dem Dorf, an der „Lehmkaut“ wieder eingepflanzte. Die goldgelben Früchte mit den roten Streifen haben Generationen von Schulkindern geschmeckt. „Gack´s Apfelbaum“, wie er damals genannt wurde, erfreut sich noch heute großer Beliebtheit. Der Mutterbaum wurde nahezu 100 Jahre alt, bevor er 1968/69 umfiel. Seine Abkömmlinge haben sich in Gärten und auf Obstwiesen an der Dill und der Lahn verbreitet. Edelreiser gelangten sogar zu Verwandten in die USA sowie nach Österreich, wo sie in 600 m Höhe im Inntal wachsen und gedeihen.
Pomologische Beschreibungen des Gacksapfels finden sich erstmals bei dem Obstbauer und Pomologen Richard Zorn (1860-1945) aus Hofheim. Die Sorte ist als „Gack´s Streifling“ in seinem unveröffentlichten Werk: „Apfelsorten, Band I“ von 1934-39 zu finden. Weitere Abbildungen und Beschreibungen sind in den Werken von Franz Mühl, „Alte und neue Apfelsorten“ (1991, 5. Aufl. 2005); Steffen Kahl, in „Die guten alten Äpfel“ (NZH-Pomologie, 1999) sowie bei Eckart Brandt, „Von Äpfeln und Menschen…“ (2004) zu finden.
Die Landesgruppe Hessen des Pomologen-Vereins e.V. will gemeinsam mit dem Naturschutz-Zentrum Hessen (NZH), der Baumschule Rinn, der Stadt Aßlar, dem Verschönerungsverein und dem Arbeitskreis Dorfgeschichte in Berghausen auf diese Lokalsorte aufmerksam machen. Auf dem Apfelmarkt des NZH im September 2005 wurde die Sorte der Öffentlichkeit vorgestellt. Bereits im November 2005 fand mit den Nachkommen von Ernst Gack eine Pflanzaktion von fünf Bäumen in Berghausen statt. Neben der Familie sind es die angesprochenen Vereine, der Kindergarten und die Stadt Aßlar, die sich um die Erhaltung des Gacksapfel engagieren. „In den kommenden zwei Jahren werden wir Interessenten zu einem günstigen Preis Gacksapfelbäume anbieten – die Pflege muss allerdings garantiert sein!“ so Roland Esch, Bürgermeister der Stadt Aßlar. Auch in der Partnerstadt Jüterbog/Brandenburg wurde die Lokalsorte des Jahres gepflanzt. Weitere Pflanzaktionen wie z. B. im Freilichtmuseum Hessenpark bei Neu Anspach sind durch den Pomologen-Verein geplant.
Kurzcharakteristik:
Reife: Pflückreif Ende September bis Mitte Oktober, Genussreif November bis April (Mai). Wintersorte
Verwendung: Sehr guter Wirtschafts- und Mostapfel, durch die lange und verlustfreie Lagerung wird der Apfel ab Dezember auch als Tafelapfel zum Frischverzehr geschätzt.
Gestalt: mittelgroß bis groß, in der Form sehr variabel, von rundlich bis hochgebaut, mitunter auch walzenförmige Früchte an einem Baum, breite Kanten laufen über die Fruchtseiten.
Schale: glatt, leicht wachsig, typisch lila-grau bereift, Grundfarbe blas grün, sonnenseits verwaschen, gesprenkelt und kurz gestreift, erscheint durch Reif lila, Schalenpunkte vereinzelt, unauffällig, ohne Berostung.
Stielgrube und Stiel: Stielgrube mitteltief, teils olivebraun berostet, Rand buckelig. Stiel kurz bis mittellang, holzig, mit Frucht abschließend.
Kelchgrube und Kelch: Kelchgrube mitteltief, eng, Rand wulstig. Kelch groß, geschlossen, Kelchblätter lang, breit, dicht zusammengedrängt, Kelchhöhle groß, trichterförmig, in Kelchröhre übergehend, bis zum Kernhaus reichend.
Kernhaus: Gefäßbündellinien schwach ausgeprägt, Kernhausachse leicht offen, Kernhauswände ohrenförmig, glatt. Kerne gut ausgebildet, oval, hell kastanienbraun.
Fruchtfleisch: grünlich bis gelblich weiß, mittelfest, sehr saftig, vorherrschende Säure, ohne besonderes Aroma.
Baumbeschreibung: Mittelstarker bis kräftiger Wuchs, große, ausladende Krone, mäßig verzweigt. Blüte mittelspät, witterungsunempfindlich. Wechsel zwischen sehr hohen und geringen Erträgen (Alternanz). Anspruchslos an Boden und Klima, bis in höhere Lagen anbaufähig, Blüten- und Holzfrostart, allgemein wiederstandsfähig gegenüber Krankheiten und Schädlingen, insbesondere schorffest, große Früchte neigen zu Glasigkeit und Stippe.
Steffen Kahl, 1. Februar 2006
Text und Bild: Pomologen–Verein e.V. / Landesgruppe Hessen
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