Der Neuntöter Lanius collurio (Linnaeus, 1758) ...... ist Vogel des Jahres 1985Der
Neuntöter ist zum Symbol für Heckenbrüter schlechthin geworden. Seine Wahl zum
Vogel des Jahres löste in Deutschland eine Welle von Aktivitäten zum Schutz wie auch zur Neuanlage von Hecken aus.
Name und VerwandtschaftDer
Neuntöter (
Lanius collurio) gehört zur Familie der
Würger (Laniidae), die mit weltweit 64 Arten vertreten ist. Nach dem 1987 in Deutschland ausgestorbenen Schwarzstirnwürger, dem inzwischen extrem selten gewordenen Rotkopfwürger und dem nur noch sporadisch anzutreffenden Raubwürger, ist der
Neuntöter hierzulande der verbreitetste und häufigste seiner Verwandtschaft.
KennzeichenSeinen brutal klingenden Namen erhielt der
Neuntöter aufgrund seines Beuteverhaltens. Als Nahrungsreserve bzw. zur Bearbeitung spießt er Insekten, kleine Vögel oder Mäuse auf Dornen oder spitze Zweige auf. Ein typisches äußerliches Merkmal dieser Singvögel ist ihr falkenähnlicher Oberschnabel, der wie bei Greifvögeln mit einem so genannten Falkenzahn versehen ist. Das prächtig gefärbte Männchen des
Neuntöters ist vor allem durch seinen auffälligen schwarzen Augenstreif und seinen grauen Oberkopf und Nacken, der sich deutlich von den rostroten Rücken– und Flügelpartien abhebt, leicht erkennbar. Weibchen und Junge sind demgegenüber eher unscheinbar. Beide besitzen einen braunen Augenstreif, einen rostroten Oberkopf und Rücken. Unterseite und Flanken sind hell mit dunkelbraunen Bogenlinien.
LautäußerungenDer
Neuntöter–Gesang klingt relativ leise schwätzend, enthält häufig zahlreiche Imitationen und wird meist mit dschä Rufen eingeleitet oder abgeschlossen. Angriffs– und Erregungslaute sind teck teck teck, dschrää oder trrt trrt.
NahrungDer
Neuntöter ernährt sich hauptsächlich von Insekten, vor allem von Käfern, Heuschrecken und Grillen. Gelegentlich frisst er auch Kleinsäuger, z. B. junge Feldmäuse und Jungvögel.
LebensraumDer
Neuntöter gilt bei uns als Charaktervogel einer halboffenen, reich strukturierten Landschaft. Hier bewohnt er vor allem trockene und sonnige Landstriche mit ausgedehnten Busch– und Heckenbeständen. Auch an buschreichen Waldrändern und in Feldgehölzen trifft man ihn an.
FortpflanzungSein Nest baut der
Neuntöter gewöhnlich 1 bis 2 Meter über dem Boden in dichtem Dornengebüsch, Sträuchern oder kleinen Bäumen. Anfang Mai bis Ende Juni legt das Weibchen 5 bis 6 variabel gefärbte (hell grünlich, gelblich oder rötlich) und gefleckte Eier, die 14 bis 16 Tage bebrütet werden. Es schließt sich eine 13 bis 15–tägige Nestlingsphase an, gefolgt von einer 26 bis 38 Tage dauernden Führungsperiode. Nach Beendigung des Brutgeschäfts verlässt der
Neuntöter meist schon im August sein Brutgebiet, um das Winterhalbjahr im tropischen Afrika zu verbringen.
VerbreitungDer
Neuntöter ist in der borealen, gemäßigten und mediterranen Zone von Nord–Spanien und West–Europa bis Kasachstan verbreitet. Das Areal in Mitteleuropa umfasst das Tiefland und Tallandschaften bis hin zu vereinzelten subalpinen Regionen.
BestandNachdem der
Neuntöter in den 70er und 80er Jahren bundesweit deutlich seltener geworden war, haben sich die Bestände seit einigen Jahren vielerorts stabilisiert. Dank dieser positiven Entwicklung konnte er 2002 aus der Roten Liste gefährdeter Brutvogelarten entlassen werden. Die europäische Gesamtpopulation (ohne Russland) wird auf 4 bis 8 Millionen Brutpaare geschätzt. In Deutschland brüten zwischen 90.000 und 190.000 Paare.
GefährdungLebensraumveränderungen und der Verlust an geeigneten Brutmöglichkeiten durch eine sukzessive Ausräumung der Landschaft, aber auch durch planmäßige Flurbereinigungen, sind auch heute noch zu beklagen. Die Beseitigung von Hecken und Gebüsch, der Umbruch von Grünland und Heideflächen, die weiter fortschreitende Zersiedelung der Landschaft, und ein noch immer ungebremster Biozid– und Düngemitteleinsatz reduzieren weiterhin die Zahl geeigneter Brutplätze und das Nahrungsangebot.
Maßnahmen zum SchutzUm den Bestand langfristig zu stabilisieren sind folgende Schutzmaßnahmen bedeutsam:
Erhaltung und Entwicklung reich strukturierter Heckenlandschaften- Reduktion des Einsatzes von Insektiziden, Herbiziden und Düngemitteln in der Kulturlandschaft
- Förderung von extensiv genutztem Grünland, Streuobstgebieten (Biotop des Jahres 1998/1999), Brachen, natürlichen Waldsäumen und Trockenstandorten
Text und Bild vom
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