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Gemeine Regenwurm
Foto: Waldschule Cappenberg
Gemeine Regenwurm
Lumbricus terrestris
  (Linnaeus, 1758)

Der Gemeine Regenwurm   Lumbricus terrestris (Linnaeus, 1758) ...
... ist Wirbelloses Tier des Jahres 2004

Einleitung
Nach der Kellerassel (Wirbelloses Tier des Jahres 2001), dem Bachflohkrebs (Wirbelloses Tier des Jahres 2002) und dem Steinkriecher (Wirbelloses Tier des Jahres 2003) wird nun mit dem Gemeinen Regenwurm zum viertem Mal das Wirbellose Tier des Jahres von der Waldschule Cappenberg ausgerufen.
Der Gemeine Regenwurm (Lumbricus terrestris), der von den Anglern als Tauwurm bezeichnet wird, ist die häufigste einheimische Regenwurmart und besiedelt vor allem Lehmböden.
Er wird der Familie der Ringelwürmer, der Klasse der Gürtelwürmer und der Ordnung der Wenigborster zugeordnet und gehört der Familie der Eigentlichen Regenwürmer (Lumbricidae) an.
Die Bezeichnung „Regen“-Wurm stammt vermutlich daher, dass Regenwürmer nach starkem Regen oft in großer Zahl aus dem Boden an die Oberfläche kommen.
Für dieses Verhalten gibt es keine eindeutigen Antwort, aber verschiedene Vermutungen:
– Die Wohnröhren der Regenwürmer werden überflutet und sie fliehen wegen Sauerstoffmangels an die Oberfläche,
– die Regenwürmer nutzen die Witterungsbedingungen um auf Partnersuche zu gehen,
– oder aufgrund von hohem Populationsdruck in neue Gebiete auszuwandern.
Der Regenwurm wird zum Wirbellosen Tier des Jahres ernannt um die vielen Vorurteile, die über dieses scheinbar bekannte Tier bestehen, abzubauen und den großen Nutzen dieses Tieres bekannt zu machen.

Steckbrief

Vorkommen und Verbreitung:
Die Regenwürmer werden weltweit in 18 Familiengruppen und schätzungsweise 3.000 Regenwurmarten unterteilt und zählen als größte wirbellose Bodenbewohner. Der australische Riesenregenwurm aus der Familie der Megascoleciden kann beispielsweise bis zu drei Meter lang werden.
Einige Arten kann man in großer Höhe (in den Alpen bis 3000 m) antreffen, wogegen andere Regenwürmer im Meer in einer Tiefe von bis zu 2400 m leben.
Die einheimischen Regenwürmer zählen zur Familie der Lumbriciden von denen ca. 39 Arten in Deutschland beheimatet sind und der Gemeine Regenwurm (Lumbricus terrestris) die häufigste Art ist.

Erscheinungsbild:
Unsere heimischen Regenwurmarten besitzen einen langgestreckten, runden Körper, der aus bis zu 200 Segmenten zusammengesetzt ist. Vereinfacht gesagt besteht der Regenwurm aus zwei Schläuchen, dem Hautmuskelschlauch und dem Darmkanal, die ineinander gesteckt sind. Durch diesen Schlauch ziehen sich Darm, Bauchnervenstrang, Bauch- und Rückblutgefäße. Im vorderen Teil sitzen Verdauungs- und Fortpflanzungsorgane, der Rest des Körpers ist mit Flüssigkeit gefüllt. Die Haut der Regenwürmer ist glatt und zum Schutz vor Austrocknung mit einer Schleimschicht umgeben. Sie ist je nach Regenwurmart unterschiedlich gefärbt, von rotbraun über schwarz und weinrot bis zu grünlicher oder gelblicher Färbung.
Der Gemeine Regenwurm ist im vorderen Körperbereich zum Schutz vor UV-Strahlung und zur Tarnung dunkel gefärbt, er kann eine Länge von bis zu 30 cm erreichen.
Regenwürmer besitzen weder Lungen oder Kiemen noch Augen, Ohren oder eine Nase.
Die Aufnahme von Sauerstoff geschieht über die Körperoberfläche. Durch Lichtsinneszellen am Vorder- und Hinterende und durch einen guten Tastsinn können die Regenwürmer Hell und Dunkel unterscheiden und sich in ihren Wohnröhren orientieren. Ein Drucksinn, der Bodenerschütterungen wahrnimmt, ermöglicht die Flucht vor Feinden.
Bemerkenswert ist die Regenerationsfähigkeit des Regenwurms. Die Vorstellung, dass man einen Regenwurm in zwei Teile zerschneiden und das aus jedem Teil ein neuer Wurm ensteht ist jedoch unsinnig. Nur das Vorderende mit den lebenswichtigen Organen kann weiterleben und auch nur dann, wenn noch genügend Segmente vorhanden sind, der hintere Teil stirbt in jedem Fall ab.

Lebensraum:
Bei der Auswahl des Lebensraumes ist für den Regenwurm ausreichende Nahrung in Form von totem organischem Material ein wichtiger Faktor. Weiterhin ist der Feuchtigkeits- und der Säuregrad (pH-Werte im sauren Bereich) des Bodens, sowie die Temperatur (Temperaturspektrum zwischen 0° und 25° C) von Bedeutung.
Regenwürmer besiedeln verschiedenste Bodenarten, auf die diese Bedingungen zutreffen, wie Humus-, Lehm-, Sand- und gewässernahe Böden.
Der Gemeine Regenwurm besiedelt vor allen Dingen Lehmböden, in die er Wohnröhren gräbt, die bis zu zwei Meter tief in die Erde hinabreichen können. Er zählt somit zu den kräftigen und tiefgrabenden Arten der Regenwürmer.

Nahrung:
Regenwürmer ernähren sich vorwiegend von den Abfallprodukten der Natur, wie abgestorbenen Pflanzenresten, Blättern und Ernterückständen von denen die Kohlenhydrate und Eiweiße verwertet werden. Dafür wird die nähere Umgebung der Wohnröhre abgeweidet. Das organische Material muss jedoch vorher von Pilzen und Bakterien aufgeschlossen werden, damit der Regenwurm es überhaupt verdauen kann. Weitere Nahrung wird dadurch aufgenommen, dass der Regenwurm Erde verzehrt und die in ihr enthaltenen, zersetzen organischen Stoffe aufnimmt.
Ein Großteil der aufgenommenen Nahrung wird unverdaut ausgeschieden; der Gemeine Regenwurm frisst täglich die Hälfte seines Eigengewichtes.

Vermehrung:
Regenwürmer sind Zwitter, was bedeutet, dass sie gleichzeitig männliche und weibliche Fortpflanzungsorgane, sprich Hoden und Eierstöcke, besitzen. Ein Regenwurm muss jedoch immer von einem anderen Regenwurm befruchtet werden.
Die Fortpflanzung der Regenwürmer kann hauptsächlich im Frühling und im Herbst beobachtet werden, wenn die Temperatur- und Feuchtigkeitsverhältnisse im Boden am günstigsten für sie sind.
Die Paarung findet meistens nach Regen in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden statt und kann bis zu drei Stunden andauern. Dazu kommen die geschlechtsreifen Würmer aus ihrer Wohnröhre an die Oberfläche. Die beiden Partner legen sich bei der Paarung entgegengesetzt aneinander und haken sich mit ihren Bauchborsten in die Bauchseite des Partners ein. Daraufhin tritt der Samen aus der männlichen Geschlechtsöffnung aus und wird bis zu den Samentaschen des jeweils anderen Wurmes transportiert und dort aufbewahrt.
Am sogenannte Gürtel, einer Hautverdickung im vorderen Teil des Körpers, wird eine Schleimhülle gebildet, aus der sich der Regenwurm herauszieht und die nacheinander mit einem Ei gefüllt und durch den fremden Samen befruchtet wird. Diese Schleimhülle wird im Boden abgelegt und zu einem Kokon erhärtet aus dem der Gemeine Regenwurm nach bis zu 135 Tagen schlüpft.

Alter:
Der Regenwurm kann unter Laborbedingungen bis zu 10 Jahre alt werden, stirbt aber aufgrund der erheblichen Anzahl von Fressfeinden, aber auch durch Bodennässe, Sonnenlicht oder Schädlingsbekämpfungs- oder Pflanzenschutzmittel meistens früher.
Das Durchschnittsalter des Regenwurmes unter natürlichen Bedingungen liegt bei ca. 2 Jahren.

Natürliche Feinde:
Der Regenwurm hat neben der Bedrohung durch den Menschen eine Vielzahl von Fressfeinden, neben Igel, Maulwurf, Erdkröte, Grasfrosch, Tausendfüßer, Steinläufer, Feldmaus, Spitzmaus und Ratte auch viele Vogel- und bestimmte Schneckenarten.
Einen erheblichen Schaden verursachen Parasiten, wie Fliegenlarven.

Nutzen:
Schon 1881 hat Charles Darwin die Wichtigkeit des Regenwurms erkannt: „Man kann wohl bezweifeln, ob es noch viele andere Tiere gibt, welche eine so bedeutungsvolle Rolle in der Geschichte der Erde gespielt haben wie diese so niedrig organisierten Geschöpfe“ schreibt er am Ende seiner Abhandlung über „Die Bildung der Ackererde durch die Tätigkeit der Würmer mit Beobachtung über deren Lebensweise“.
Regenwürmer verzehren Erde, verdauen die von anderen Tieren und Bakterien zersetzten organischen Stoffe und scheiden einen Großteil des aufgenommenen wieder aus.
Dadurch entsteht ein großer Nutzen für die Bodenbildung: die Kotablagerung führt zu einer intensiven Durchmischung des Bodens und durch die Wohnröhren der Regenwürmer wird dieser bis in die Tiefe gelockert. Durch die Durchlüftung des Bodens kommt es zu einer Vermehrung von Bodenbakterien, welche wiederum den Abbau der organischen Stoffe beschleunigen. Die Wohnröhren der Würmer fördern das Wachstum von Pflanzen, da diese so größere Wurzelwerke ausbilden können und so als Wachstumskanäle verwendet werden.
Von Regenwürmern umgeschichteter Boden ist qualitativ hochwertiger als mechanisch gelockerter Boden, da Regenwurmkot bei Regen nicht so schnell zu Schlamm zerfällt. Außerdem stellen Regenwürmer durch mehrmaliges Fressen und Ausscheiden der Erde Nährstoffe, besonders den benötigten Stickstoff, konzentriert den Pflanzen zur Verfügung.
Somit ist die Tätigkeit der Würmer Voraussetzung für die Fruchtbarkeit der Böden.

Quellenangabe:
Grzimek, Bernhard (Hrsg.). Grzimeks Tierleben. Niedere Tiere. München: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG 1993
Vetter, Fredy. Zentrum für angewandte Ökologie Schattweid. URL: http://www.regenwurm.ch [Stand: 16.12.2003]

Text und Bild: Waldschule Cappenberg
 
 
 
2003     Wirbelloses-Tier     2005

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Seite aktualisiert  23.22.2007