Am 14. Juni 2001
Auch diesmal gingen die Meinungen wieder auseinander in Bezug auf die Anfangszeit: Die einen meinten, man solle ‘Mit den Hühnern aufstehen‘ und uns schon in der Dämmerung treffen, den anderen waren die veranschlagten 5.30 Uhr schon zu früh. Sicher, um das volle Spektrum und die Abfolge der Sänger zu registrieren, sollte man so früh wie möglich beginnen, aber da es nicht rein wissenschaftlich sein sollte, lagen wir gut in der Zeit.
Der Treffpunkt war wieder am Backhaus in Kefenrod. Dieses liegt direkt an der Kirche, in der ein
Turmfalkenpaar seine Jungen groß zieht. Auf dem Kirchturm hatten sich auch einige
Stare versammelt. Von diesem Treffpunkt aus konnte man bereits die
Amsel sehen und hören, wie sie auf einem Dachfirst ihr Lied flötet,
Spatzen (Haussperlinge) tschilpten in den angrenzenden Gehöften und auf einer entfernten Fernsehantenne gurrte eine
Turteltaube.Nachdem unser Vorsitzender
Wilhelm Breetz die Wanderfreunde - darunter viele Gäste - begrüßt hatte, übergab er das Wort an
Ludwig Repp. Nach kurzer Begrüßung ging das Programm auch schon los, indem er auf die jetzt schon zu hörenden Stimmen einging. Über uns waren jetzt die
Mauersegler zu sehen, die mit ihren sichelartigen Flügeln ein charakteristisches Bild am morgendlichen Himmel abgaben. Bereits nach wenigen Schritten entdeckten wir einen
Hausrotschwanz und als wir am Sportplatz ankamen, sahen wir
Wacholderdrosseln im Gras nach Nahrung suchen. An der Seemenbachbrücke angekommen, sahen wir ungewöhnlicherweise hoch oben auf einer Stromleitung einen
Zaunkönig, der sein Lied schmetterte. Es ist immer wieder erstaunlich, wie klein der Kerl ist, der so einen riesen Lärm macht. In den Bäumen waren
Blaumeisen mit der Nahrungssuche beschäftigt, etwas weiter weg sah man
Elstern fliegen und hörte ihren heiseren Ruf. Nun konnten wir auch weitere Himmelsakrobaten sehen:
Mehlschwalbe und
Rauchschwalbe. Im Ortsbereich konnten wir weiterhin
Bachstelze,
Grünfink,
Kohlmeise und
Buchfink hören und sehen, sowie ein vorüber fliegendes
Stockentenpaar. Auch ein
Graureiher zog mit majestätischer Ruhe seine Bahn am Himmel. Am Ortsrand entlang hörte man in den Hecken den
Zilpzalp, die
Mönchsgrasmücke, den
Fitis sowie die
Heckenbraunelle. Nun ging die Wanderung vom Dorf weg aufs freie Feld hinaus, wo freistehende Hecken weiteren Arten Schutz und Nahrung bieten. Hier seien vor allen Dingen die Grasmücken (
Dorngrasmücke,
Mönchsgrasmücke,
Gartengrasmücke) genannt, die durch ihr Geschwätz eine melodische Geräuschkulisse bildeten. Leider war diesmal die
Klappergrasmücke nicht dabei. Zu den weiteren Arten gehörte die
Goldammer, deren Männchen sich in der morgendlichen Sonne besonders farbenprächtig präsentierten. Nun hörten wir auch die
Feldlerche, die hoch in den Lüften unermüdlich Ihre Strophen vortrug. Bei dem von uns angelegten Teich war der
Sumpfrohrsänger bereits warmgesungen und trällerte unermüdlich sein Lied. Sehr schön präsentierte sich der
Rotmilan, den man selbst ohne Fernglas wunderbar im Fluge erkennen konnte. An Greifvögeln war, außer dem bereits erwähnten
Turmfalken, nur noch der
Mäusebussard zu beobachten. Aus der Ferne hörte man den
Kuckuck rufen und sofort wurde er von Anwesenden imitiert. Natürlich ließ es sich einer unserer größten und stimmgewaltigsten Singvögel nicht nehmen, in Scharen sich von uns beobachten zu lassen: Die
Rabenkrähe. Nun näherten wir uns einem Waldgebiet, aus dem
Ringeltaube,
Türkentaube und
Singdrossel zu hören waren. Doch dieser Wald wurde von uns nur am Randbereich gestreift und so ging es weiter zwischen Feldern, Wiesen und Hecken. Nun konnten wir endlich auch mal wieder den
Neuntöter beobachten. Weiterhin blieben
Bluthänfling,
Gimpel (Dompfaff),
Girlitz und
Stieglitz unseren Ohren bzw. unseren Augen und Ferngläsern nicht verborgen. Bald erreichten wir das Waldgebiet, das uns im weiteren Verlauf zu unserem Ziel, der Vogelschutzhütte, führen sollte. Hier waren im Fichtenwald sowohl
Wintergoldhähnchen wie auch
Sommergoldhähnchen zu hören und hie und da sah man auch einen der quirligen Kerlchen in den Wipfeln herumturnen. Ebenso emsig waren auch die
Tannenmeisen mit ihren Turnübungen beschäftigt. Nun war das Geschrei groß, als unsere vorderste Front einen
Eichelhäher aufschreckte, der im Dunkel des Waldes verschwand. Aus dem Unterholz hörte man das
Rotkehlchen rufen und auch der
Kleiber gab sich zu erkennen. Wieder so ein kleiner Kerl mit gewaltiger Stimme. Ein
Baumpieper konnte auch durch seine Stimme identifiziert werden.
Endlich war unser Ziel erreicht: die Vogelschutzhütte. Hier gab es endlich erfrischendes zu trinken und warme Würstchen mit Brot und Senf/Ketchup. Bald merkten wir, dass wir störten. Eine
Haubenmeise beschwerte sich mit vollem Schnabel über die Störung. Etwas entfernt konnte man einen Specht klopfen hören. Später als wir aufbrachen, konnten wir einen
Buntspecht sehen. Ob er der Klopfer war, ließ sich nicht feststellen. Nachdem sich alle erfrischt und ausgeruht hatten, ging es nach und nach in kleinen Gruppen wieder zurück. Auf dem Rückweg konnte noch der
Feldschwirl gehört und der
Feldsperling beobachtet werden.
Ach ja, das Allerweltsthema sollte noch erwähnt werden: das Wetter. Zu Beginn war es morgens frisch und wechselnd bewölkt. Nach und nach bekam die Sonne immer mehr die Oberhand und es wurde angenehm warm. Das übliche Problem: wer morgens warm eingepackt war, der schwitzte jetzt, wer morgens mit den Zähnen klapperte, der fühlte sich jetzt wohl. Insgesamt konnten wir mit der Wanderung sehr zufrieden sein, sowohl vom Wetter, den Wanderern und den Beobachtungen: es waren stattliche
51 Arten, die eindeutig identifiziert werden konnten. Bei einer weiteren Art, der
Hohltaube war die Bestimmung nicht ganz eindeutig.
Zum Schluss möchte ich noch allen Wanderern und vor allem unseren Gästen für ihr Erscheinen danken. Ein besonderer Dank auch an
Ludwig Repp, der uns Allen wieder eine hervorragende Führung mit seinem Fachwissen beschert hat.